Von Uwe Nettelbeck

Eine Woche lang hockten sie alle zusammen: Regisseure, Kameraleute, Techniker, Produzenten, Journalisten, Festivaltrotter, Prominente und Zaungäste. Ihr Treffpunkt: die neue Stadthalle Oberhausens, der Anlaß: die neunten Westdeutschen Kurzfilmtage.

Viele kamen, mehr als jemals zuvor; keine Abendkleider, kein Brimborium jedoch, sondern gescheite Gesichter: Oberhausen ist nicht nur das wichtigste, sondern auch das intellektuellste Kurzfilmfestival.

Im vergangenen Jahr hatte die Zurückweisung der DDR den Boykott der Ostblockstaaten provoziert, ohne die nun mal ein Festival zu provinzieller Einseitigkeit verurteilt ist, in diesem war Oberhausen wieder Oberhausen. Einreiseschwierigkeiten gab’s nur vereinzelt, einige Filme mögen aus ideologischen Gründen unter den Tisch gefallen sein; bedauerlich das eine, schade das andere, doch diesmal Schwamm darüber.

Hundert Filme waren ausgewählt worden. Bei dieser großen Zahl sollte man bleiben, auch wenn dann fünfundzwanzig schlecht sind, nicht der wohl unfreiwillig selbstlosen Forderung des holländischen Regisseurs und diesjährigen Jurypräsidenten Bert Haanstra nach strengerer Auswahl nachgeben. Lieber siebzig miserable Filme als zuviel autoritäre Vorentscheidung.

Die Oberhausener Rebellen, deren Schlagwort vom toten Väter-Kino berechtigte Furore machte, sie waren da, aber sie schwiegen. Vergrämt und mit gutem Grund. Man hatte ihre Anrempelei verzeichnet, ihr kulturpolitisches Programm hingegen geflissentlich übergangen. Der unerträgliche Vorwurf, sie übten „zersetzende“ Kritik, brächten selbst nichts auf die Beine, er trifft nicht, solange die deutsche Filmwirtschaft – obendrein vergeblich – nach Lieschen Müller schielt.

Die Rebellen schwiegen also resigniert. Dafür vernahm man eine kirchliche Wortmeldung. Erfreulich das, doch leider kaum mehr als ein gut gemeinter Annäherungsversuch. Kurzfilmtalente, nehmt euch kirchlicher Belange an, so die naive Bitte. Der Filmbeauftragte der evangelischen Kirche, ein Experte also, wie man meinen sollte, erklärte zwar seine Liebe zu den „kleinen und kurzen Dingen“, schien aber nicht allzuviel vom Kurzfilm zu verstehen. So schürte sein Referat eigentlich nur die Ressentiments gegen kirchliche Filmpolitik: leider, denn warum eigentlich nicht? Nur eben anders, qualifizierter bitte!