„Der Mörder“ (Deutschland; Verleih: Schorcht): Ein Mann ist seiner Frau überdrüssig; Scheidung ist unmöglich; lebend wird er die Gattin nicht los. Da liest er von der Ermordung einer Frau – der Täter ist unerkannt geblieben. Unser Held beginnt, den Witwer, den er für den Mörder hält, zu beobachten, den vermutlichen Hergang der Tat zu rekonstruieren, die mutmaßliche Tat des anderen zum Modell der eigenen zu machen. Das schmeckt nach Hitchcockscher Identitätsthematik: Ein Normalbürger verwandelt sich unmerklich in einen anderen, einen Mörder. Und wirklich hat die Autorin der Vorlage, Patricia Highsmith, dem master of suspense, den Stoff zu „Ein Fremder im Zug“ geliefert. Regisseur Claude Autant-Lara und sein Autoren-Tandem Aurenche und Bost entschieden sich jedoch statt für so hintergründige Schauer für handfeste Effekte. Zugleich verwischten sie aber auch die Konturen der Geschichte durch Zutaten aus der Hausapotheke des französischen Films: Misogynie und Strumpfbanderotik, Ehebruch und amour triste. Gert frohes Mörder ist demjenigen Lorres in „M“ vergleichbar – gibt es höheres Lob? pat

„Freuden der Großstadt“ (Frankreich; Verleih: neue filmform heiner Braun): Die Freuden der Großstadt Paris sind ironisch zu verstehen: Es sind die Plagen des gehetzten Großstädters. „Le Tracassin“ heißt der Film daher auch im Original. Ein Tag aus dem Leben eines Großstädters, nur ein Tag läuft auf der Leinwand ab. Der Zuschauer aber, der sich gerade im Kino von der allgemeinen Hatz befreienwollte, wird in das Tempo einbezogen: Er lacht sich kaputt und verläßt mit brummendem Kopf seinen Erholungsort. So intensiv reproduziert der Zuschauer seinen Helden, daß sich ihm dessen physische Zermürbung mitteilt. Dem Regisseur Alex Joffe ist ein seltener Akt der Kommunikation gelungen. Schnitt und Tempo des Films entsprechen ideal seinem Vorwurf. Ideal ist auch der Darsteller Bourvil. kuh