Auf dem Gebiet der persönlichen Einkommenbesteuerung empfiehlt der Ausschuß die allgemeine Einführung einer der deutschen Regelung entsprechenden, das Gesamteinkommen erfassenden synthetischen . Einkommensteuer (d. h. die Abschaffung der heute noch in Italien geltenden, die Einkunftsarten gesondert belastenden Schedulensteuern), deren Tarifaufbau ähnlich sein soll, während gleiche Sätze nicht für nötig gehalten werden. Diese Steuer soll in allen Mitgliedstaaten durch eine mäßig hohe, nach einheitlichen Grundsätzen erhobene Vermögensteuer für natürliche Personen ergänzt werden; hingegen soll die Vermögensteuer für juristische Personen – wie sie in Deutschland und Luxemburg besteht – abgeschafft werden.

Dividenden und Zinsen sollen einer Quellensteuer unterworfen werden, die auf die persönliche Einkommensteuer anrechenbar ist soll der Quellenabzug von Dividenden, deren Empfänger namentlich bekanntwerden, relativ gering (zwischen 10 und 20 %) sein, während von allen übrigen Dividenden EWG-einheitlich mindestens 25 % abgezogen werden sollen. Entsprechendes soll für Zinsen gelten. Auf diese Weise soll einerseits der Zweck der Quellenbesteuerung, die Steuerhinterziehung einzudämmen, gewahrt, andererseits aber eine übermäßige Belastung der Finanzverwaltungen durch Erstattungen zu hoher „Vorauszahlungen“ an der Quelle vermieden werden.

Ist der Dividendenempfänger wiederum eine Kapitalgesellschaft, so sollte nach Ansicht des Ausschusses grundsätzlich keine Steuer erhoben werden, um eine ungerechtfertigte Doppelbelastung zu vermeiden. Um jedoch mögliche Mißbräuche auszuschalten, schlägt er vor, die Steuerfreiheit von gewissen Bedingungen abhängig zu machen, wonach die empfangene Gesellschaft an der ausschüttenden Gesellschaft mit mindestens 15 bis 20 % seit mindestens ein bis zwei Jahren beteiligt sein, ihren Sitz innerhalb der EWG haben und die empfangenen Dividenden innerhalb von zwei bis vier Jahren an ihre Aktionäre weiterverteilen soll. Internationale Doppelbesteuerungsfragen sollen durch ein multilaterales Abkommen zwischen den Mitgliedstaaten in Anlehnung an den Abkommensentwurf der OECD geregelt werden.

Die Fülle der vorgeschlagenen, mehr oder weniger tiefgreifenden Reformen würde die Strukturunterschiede der öffentlichen Einnahmen mildern, sich aber damit auch in unterschiedlichem Maße auf die nationalen Budgets auswirken.

Aus diesem Grunde hält der Ausschuß einen supranationalen Finanzausgleich für notwendig. Dieser Finanzausgleich soll in erster Linie den relativ schwächeren Nationalwirtschaften die Anpassung ihrer Steuersysteme ermöglichen. Er könnte nach Ansicht des Ausschusses ferner zur Förderung der entwicklungsbedürftigen Gebiete der Gemeinschaft beitragen.

Ferner sollte die Harmonisierung über die Unterschiede der Steuersysteme und -regelungen hinaus auch die Finanzpolitik der Mitgliedstaaten im Interesse der obersten wirtschaftspolitischen Ziele der Gemeinschaft (wirtschaftliches Wachstum, Währungsstabilität, Zahlungsbilanzausgleich, Konjunkturstabilisierung und gerechte Einkommensverteilung) einbegreifen.

Die Bedeutung des Berichtes liegt darin, den Grundriß eines Steuerharmonisierungsprogramms aufzuzeigen, das die bestehenden Steuer- und Finanzsysteme der Mitgliedstaaten zu einer der Einheitlichkeit und zugleich der Differenziertheit der Gemeinschaft entsprechenden finanzwirtschaftlichen Struktur zusammenfaßt, in der Übereinstimmungen, Ähnlichkeiten und Unterschiede aufeinander abgestimmt sind. Dabei kann auf Angleichung um so weniger verzichtet werden, je ähnlicher die Industriestrukturen der Mitgliedländer sind und je weniger angesichts der technischen Vervollkommnung des Transportwesens die regionalen Märkte voneinander isoliert sind. Denn unter diesen Voraussetzungen werden die Mitglieder der EWG mit fortschreitendem Zollabbau auf den Märkten der überwiegenden Mehrzahl ihrer Produkte immer intensiver miteinander konkurrieren.