Abgrundtief sind die Dekolletés am Abend: bis zur Taille, vorn oder hinten. An diesem langen schwarz-weißen Abendkleid aus Seidencrepe von Pierre Cardin irritiert, wie die Organza-Rose am dünnen schwarzen Seidenband angebracht ist.

Die Sommermode hat etwas Zartes, Ätherisches, ungemein Feminines. Das Pariser Gebot heißt: Gertenschlank, aber nicht mager. Selbst in Hosen wird nicht dieser erschreckend leistungsfähige „do-it-yourself“-Typ herausgekehrt. Nichts Neues? Man muß nur richtig hinsehen.

Wer sich im vergangenen Jahr nicht ausschließlich auf den weiten Rock festgelegt hat, kann sich freuen: denn Röcke sind im allgemeinen schmal, lassen aber genügend Bewegungsfreiheit. Ausnahmen: Röcke mit gesteppten, zum Saum hin ausfallenden Falten – wie bei Pierre Cardin – wirken jung durch ihre muntere Bewegtheit. Der modische Witz liegt diesmal im Oberteil, zwischen Halsausschnitt und leicht erhöhter Taille. Am reichsten wird die Schulterpartie einschließlich des Ärmels mit neuen Ideen bedacht. Der schräge Arm-Ausschnitt, der den Schulterkopf entblößt, ist anmutig für Fliegengewichte mit vorbildlichen Armen, gefährlich für jene, die ein Plus an der falschen Stelle besitzen, das besser verborgen bleibt.

Anliegende und stark geschweifte Redingotes und Jacken sind in der letzten Saison nicht auf Gegenliebe gestoßen. Von nun an hängt der Mantel gerade herab.

Die wichtigsten Kleinigkeiten sind ovale oder rundliche Kragen, „hineingesteckte“ Schals, weiße Garnituren und lässig geschlungene Bänder. Man merkt es kaum, wieviele Jacken und Mäntel kragenlos sind: Der Kragen von Kleid oder Bluse wird einfach „herausgeschlagen“. Offene Jacken lassen eine weiße – oder auch farbige – Hemdbrust sehen. Das abendliche Dekolleté ist abgrundtief; zuweilen reicht es fast bis zur Taille, wird aber fürsorglich von einer Schmucknadel auf den rechten. Weg geführt... K. E. R.