Immer wieder wird der Mittelmeerraum von Erdbeben heimgesucht. Während jetzt die ersten Versuche Formen annehmen, mit ausländischer Hilfe das 1960 schwer getroffene marockanische Seebad Agadir am Atlantik (12 000 Tote) wieder aufzubauen, hat sich nun, nur drei Jahre später, in Libyen die Erde geöffnet und unendliches Leid über die Bewohner gebracht. Wie gemeldet wurde, sind in Barca und Umgebung oder El Merch, wie die Stadt hundert Kilometer nördlich von Benghasi heute heißt, zwölftausend Menschen obdachlos, mehr als 500 getötet und rund 1000 verletzt worden. Auch die Stadt Tolmeta, unterhalb von El Merch am Meer, erlitt Gebäudeschäden.

An den Hilfsaktionen beteiligen sich vor allem die Engländer, die in der Cyrenaika einen Stützpunkt haben, und die Amerikaner von ihrem großen Luftstützpunkt Wheelus aus, der in unmittelbarer Nähe von Tripolis liegt.

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Der Wüstenstaat Libyen ist, obwohl das Öl jetzt zu fließen begann, noch immer ein armes und eines der rückständigsten Länder Afrikas, das aber mit großer Energie dabei ist, den Aufbau überall zugleich zu betreiben. Der größte Teil des Landes ist Wüstensand, die Lebensweise seiner Menschen noch archaisch.

El Merch liegt in einem der landschaftlich schönsten und grünsten Teile des Landes, über 600 Meter hoch auf dem Paß, der den Zugang in das etwas tiefer gelegene Plateau des Djebel el Akthar, der grünen Berge, freigibt. Die Stadt Barca hatte schon in der frühen Geschichte des Landes große Bedeutung; sie gehörte mit ihrem Hafen Ptolemais (heute Tolmeta), mit Apollonia (heute Susa), Tauchira (Tokra), Berenice (Benghasi und der großen altgriechischen Stadt Cyrene, die allein noch heute den gleichen Namen trägt, zur Pentapolis der Griechen. Später gewann Barca großes Ansehen bei der Eroberung durch die Araber. Heute wohnen in dieser Stadt 12 000 oder 15 000 Einwohner, zum Teil Nomaden. Die Cyrenaika, so genannt nach der ersten griechischen Siedlung Cyrene, heißt arabisch Barca.

Cyrene, an einer der schönsten Stellen der Grünen Berge gelegen, die landschaftlich an das griechische Delphi erinnert, hat in der letzten Zeit durch seine umfangreichen Ausgrabungen die größte Anziehungskraft ausgeübt. Die Italiener erbauten hier ein prächtiges Hotel, in dem zeitweise Balbo residierte. Die Aussicht bis zum Meer beeindruckt alle Gäste. Das Hotel, das bisher wie das Bergland „El Akthar“ hieß und nun den Namen „Cyrene“ erhielt, wird zur Zeit zu einer Herberge der Luxusklasse ausgebaut, denn die Libyer hoffen, daß durch die Anziehungskraft der nahe gelegenen neuen Hauptstadt des Landes El Beida mehr Gäste als bisher in dieses noch viel zuwenig geschätzte Bergland der grünen Hügel kommen.

El Beida, die Stadt aus der Retorte, hat auch eine neue Universität, und sie ist Sitz der frommen Sekte der Senussi, deren starker Einfluß die Cyrenaika sehr viel orthodoxer erscheinen läßt als das lebhaftere, levantinische Tripolitanien.