Wird Aschzell überleben? hatten wir den letzten Bericht über die Aschaffenburger Zellstoffwerke AG, Redenfelden, in der ZEIT Nr. 50/1962 überschrieben. Man kann diese Frage jetzt, da die Gesellschaft ihre Sanierungsbedingungen vorgelegt hat, keineswegs eindeutig mit einem Ja beantworten. Zu viele ungeklärte Fragen stehen noch im Raum. Immerhin scheint mit dem jetzt vorgeschlagenen Kapitalschnitt, dessen Schärfe kaum überraschen dürfte, die Voraussetzung dafür geschaffen, daß dem Unternehmen weitere 50 Mill. DM Darlehen zufließen werden, um die schon seit längerer Zeit verhandelt wird. Mit diesen Mitteln glaubt die Verwaltung die Investitionen realisieren zu können, die auf den Weg in die Rentabilität führen sollen.

Wesentlich wird der Erfolg der Sanierungsaktion davon abhängen, wie die Aktionäre und die Großaktionäre mitziehen. An den Börsen, wo die Notierung der Aschzell-Aktien auf unter 40 % gesunken ist, werden eine Reihe von Verkäufen, aber auch Umsteige-Aktionen in die Wandelanleihe registriert, die beim derzeitigen Kurs gegenüber der dividendenlosen Aktie nicht nur den Vorteil der 5 %igen Verzinsung bietet Die Hauptversammlung, deren Termin noch nicht feststeht, hat über eine Zusammenlegung des Aktienkapitals von 3:1 sowie anschließende Wiedererhöhung 1:1 zu 110 % auf 36 Mill. DM zu befinden. Ein gleiches Bezugsrecht wird den Wandelobligationären eingeräumt. Aus der Herabsetzung des Aktienkapitals zusammen mit der Teilauflösung der Rücklagen errechnet sich ein Sanierungsgewinn von etwa 43 Mill. DM. Über die Aufnahme der jungen Aktien wird noch verhandelt. Was die beantragte Staatsbürgschaft betrifft, hat das Bundeswirtschaftsministerium noch keine Empfehlung an das Bundesfinanzministerium weitergeleitet.

Inwieweit die Kapitalbereinigung eine Verschiebung innerhalb der Großaktionäre bringt, ist ebenfalls noch nicht abzusehen. Aufmerksam werden hier vor allem die Schritte des Austro-Amerikaners Karl F. Landegger verfolgt, der etwa 13 % der Aktien halten dürfte, und als Präsident einer führenden anglo-amerikanischen Gruppe des Zellstoff- und Papiermaschinenbaues an der Aschzell nicht nur als Lieferant interessiert sein dürfte. Das Paket der Margarine-Union GmbH, Hamburg (Unilever-Gruppe), wird auf etwa 11 bis 13 % geschätzt. 25 % des Kapitals hat die Hausbank, die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, München, im Portefeuille, die in der jüngsten Zeit schon im Textilbereich Sanierungserfahrungen sammeln konnte.

Die Verwaltung in Redenfelden hat in den letzten Jahren u. a. darauf berufen, daß wirtschaftspolitische Maßnahmen wie die Aufwertung, deutsche Zollvorleistungen und die Heizölsteuer die Kalkulationen über den Haufen geworfen haben. Nun wird der Schnitt gewagt, von dem man erhofft, daß er die Luft schafft, um in Zukunft auf dem immer härter umkämpften Papier- und Zellstoffmarkt zu bestehen. Geht die Sanierung glatt über die Bühne, bleibt dem bayerischen Staatsforst ein Kunde erhalten, der jährlich für etwa 60 bis 70 Mill. DM Aufträge erteilt. An der Redenfeldener Verwaltung aber wird es liegen, die Kapitalspritzen, die eine nicht unbeträchtliche Schuldentilgungslast mit sich bringen, in den Schritt nach vorn umzumünzen. t. r.