Es zeugt von der Ratlosigkeit der sozialistischen Opposition, aber auch von der Unsicherheit des linken interventionistischen Flügels der UNR, daß im Parlament ein Antrag auf Verstaatlichung der großen Geschäftsbanken eingebracht werden konnte. Dies in einem Lande, wo die großen Depotbanken, Versicherungsgesellschaften und Grundstoffindustrien in den Jahren 1945 und 1946 bereits weitgehend verstaatlicht worden sind. Die Opposition weiß sehr genau, daß sie diesen Antrag nicht durchbringen kann. Sie will lediglich eine Debatte über die wirtschaftliche Situation erzwingen, in der sie Lohnforderungen vertreten kann. So wenig sinnvoll eine solche Diskussion auch ist, ihren Einfluß auf die Börse hat sie dennoch nicht verfehlt: Die Kurse der Geschäftsbanken, die im Begriff waren, auf breiter Basis zu steigen, sind wieder zurückgefallen. Die Verödung der Börsen hält an. Infolgedessen wird unerwartet herauskommendes Material nur zu niedrigen Preisen aufgenommen, obwohl die ersten Bankabschlüsse durchaus günstig sind und eine optimistische Auffassung für das laufende Jahr rechtfertigen würden. Die Veröffentlichung der Bilanz des Credit Commercial de France, einer dynamischen französischen Großbank, an der auch Schweizer Kreise beteiligt sind, hinterließ einen günstigen Eindruck. Auf das von 40 auf 80 Mill. Franc im Vorjahr erhöhte Kapital wird eine Nettodividende von 3,25 gegen 4,50 F gezahlt. Gleichzeitig wurde angekündigt, daß Ende 1963 eine teilweise Aufwertung des Effektenbesitzes vorgenommen werden soll und vermutlich Gratisaktien verteilt werden. Dennoch haben die Kurse nicht angezogen,

Bei den Industrieaktien ist es nicht besser. Rhone-Poulenc kündigen eine Dividendenerhöhung um 16,5 %, nämlich auf 5,79 gegen 4,96 F im Vorjahr an, bei einem um 9 % erhöhten Reingewinn – ohne daß von dieser guten Nachricht der geringste Einfluß auf die Kursbildung ausgeübt worden wäre.

Günstige Nachrichten wird es im Laufe der kommenden Monate in großer Zahl geben. Fast alle Versicherungsgesellschaften werden ihr Kapital erhöhen. Die Fusionsbewegung in der Industrie schreitet fort. Kleinere Unternehmungen spezialisieren sich und schließen sich kapitalkräftigen Kerngesellschaften an. Viele Gesellschaften haben mit Bilanzberichtigungen bis jetzt gezögert, sind aber nun doch gezwungen, den letzten Termin vom 31. Dezember 1963 zu respektieren. Infolgedessen werden im Laufe der nächsten Monate zahlreiche Kapitalerhöhungen, gemischt mit der Ausgabe von Gratisaktien, durchgeführt werden. RETLAW