Es gehört zu den unbestreitbaren Vorzügen des Hamburger Bankplatzes, daß drei große Institute in schöner Regelmäßigkeit bemüht sind, ihre Bilanzen für die abgelaufenen Geschäftsjahre schon möglichst wenige Wochen nach dem Bilanzstichtag zu veröffentlichen. Damit haben sie aktuellen Aussagewert und sind noch nicht in den historischen Bereich eingegangen. Den Bilanzvorreiter machte auch in diesem Jahr wieder die Vereinsbank in Hamburg, ihr sind die Hamburgische Landesbank – Girozentrale – und die Neue Sparcasse von 1864, Hamburg, gefolgt. Da alle drei Institute unterschiedliche Aufgabenbereiche haben, ist ein Vergleich untunlich. Immerhin finden wir bestätigt, was man schon vermuten konnte, daß das große Geschäft des abgelaufenen Bankenjahres auf dem Felde des langfristigen Kredits lag.

Bei der Hamburgischen Landesbank hat hier der Schwerpunkt der Expansion gelegen. Im Vorjahr fand die Hauptexpansion bei den kurzfristigen Krediten statt. Die Neigung, sich längerfristiger zu verschulden, ist in der Wirtschaft allgemein. Die Möglichkeiten, Investitionen mit kurzfristigen Bankkrediten zu finanzieren in der Hoffnung, diese durch rasch erzielte Gewinne wieder abdecken zu können, sind offenbar geschwunden. Auf Grund ihrer besseren Refinanzierungsmöglichkeiten waren die Girozentralen und Sparkassen in der Gewährung längerfristiger Kredite im Vorteil. Bei der Versorgung der hamburgischen Wirtschaftsunternehmen mit langfristigen Krediten kommt der Hamburger Landesbank, der Hausbank der Hansestadt Hamburg, eine besondere Bedeutung zu; sie hat gut die Hälfte aller langfristigen Mittel, die die Hamburger Kreditinstitute Ende 1962 der Industrie, dem Gewerbe und dem Handwerk gewährt hatten, zur Verfügung gestellt.

Generaldirektor Kurt Fengefisch bezeichnete das langfristige Geschäft als lukrativ. Und in der Tat läßt sich aus der Bilanz unschwer ablesen, daß die Bank im Geschäftsjahr 1962 gut verdient haben muß. Die Steuerposition hat sich mit 7,64 (7,65) Mill. DM kaum verändert. Demnach sind die steuerpflichtigen Einnahmen aus dem laufenden Geschäft wohl in etwa gleichgeblieben. Durch die Steigerung des Gesamtumsatzes um 5% auf 91,1 Mrd. DM ist es also gelungen, die steigenden Kosten (besonders auf dem Personalgebiet) aufzufangen. Wenn in persönlichen Gesprächen Verwaltungsmitglieder sogar von einer besseren Ertragslage sprachen, so beziehen sie sich offensichtlich auf Sondergewinne, die in Höhe von rund 5 Mill. DM angefallen sein dürften, und zwar aus aufgelösten, bereits versteuerten Rückstellungen. Zur Abrundung des Ertragsbildes ist zu sagen, daß in den festverzinslichen Wertpapieren von 87,55 (69,82) Mill. DM zu mindestens 60% steuerfreie und steuerpflichtige Titel enthalten sind. Mit ihren Zinsen wurde also knapp die Hälfte der an die Hansestadt Hamburg gezahlten Dividende von 6% auf das Stammkapital von 30 Mill. DM bereits verdient. Wie im Vorjahr sind 5,2 Mill. DM den Rücklagen zugeführt worden. Sie betragen nunmehr 40,4 Mill. DM. Daneben sind auch die stillen Reserven erneut ansehnlich gestärkt worden.

Das günstige Geschäftsergebnis ist jedoch nicht nur auf der Einnahmenseite zustandegekommen. Ebenso wichtig war, daß es der Bank offenbar gelungen ist, aus den großen Pleiten im Hamburger Raum gut herauszukommen. Das gilt besonders bei Schlieker, wo man von vornherein mit einer glücklichen Zurückhaltung operiert hat. Nicht so günstig ist die Affäre „Opal“ für die Bank verlaufen. Kein Wunder, wenn deshalb auf der Pressekonferenz der Hamburger Landesbank einige bittere Worte über die beiden Opal-Chefs Margaritoff und Schaffer gefallen sind. Natürlich empfand die Landesbank es als einen großen Segen, im vergangenen Jahr nur einen kleinen Aktienbestand von 4,05 (3,46) Mill. DM ihr eigen genannt zu haben. Folglich waren auch die Kursverluste minimal.

Unter dem Einfluß der ungünstigen Entwicklung in der Seeschiffahrt hat sich das Schiffskreditgeschäft der Bank, die rund ein Fünftel der deutschen Seeschiffstonnage finanziert hat, nicht gerade glücklich entwickelt. Aber auch hier sind nennenswerte Verluste ausgeblieben. Die Reeder haben der Bank gegenüber ihre Zinsverpflichtungen restlos erfüllt. Einigen Schiffahrtsunternehmen bereitete die restlose Zahlung der Tilgungsbeträge jedoch Schwierigkeiten, so daß sie Anträge auf Stundung stellen mußten. Hiervon wurden bei der Landesbank rund 5 % der fälligen – zum Teil von der öffentlichen Hand verbürgten – Kapitalrückzahlungsraten betroffen.

K. W.