Auf die Hauptversammlung der Schultheiß-Brauerei AG, Berlin, hatte sich die Verwaltung denkbar gut vorbereitet. Da der seit sechs Jahren der Opposition um jeden Preis beflissene Darmstädter Aktionär Erich Nold sein Erscheinen angekündigt hatte, war der Vorstand mit einem Wust von Akten zugegen, um seiner ohnehin bekannten Auskunftsfreudigkeit notfalls die Krone aufzusetzen. Dazu bot sich dank der Wißbegier des Opponenten und einiger Kleinaktionäre reichlich Gelegenheit. Sie endete nur bei so detaillierten Fragen wie der nach der Höhe der Vertreterprovisionen, da die erschöpfende Antwort der Konkurrenz unmittelbare Rückschlüsse erlaubt hätte. Sonst aber scheute sich Vorstandsvorsitzender Hans Sixtus nicht, einzelne Bilanzposten einschließlich der Steuern bis zu Beträgen von wenigen tausend oder gar hundert Mark aufzugliedern.

Um so unverständlicher ist das Verhalten des Opponenten zu verurteilen, was die Verwaltung denn auch mit aller gebotenen Schärfe tat. Schon bei der vorjährigen Hauptversammlung hatte der Darmstädter gegen eine Satzungsänderung gestimmt, die das erreichen sollte, wofür er sich sonst stark macht: Aus eigenem Entschluß war der Aufsichtsrat bereit, auf etwa 15 % seiner keineswegs überhöhten Bezüge zu verzichten. Allerdings war damals der Text der Satzungsänderung (mit dem Effekt, daß schon für 1960/61 rd. 68 000 DM eingespart werden sollten) erst in der Versammlung bekanntgegeben worden. Obwohl die Versammlung damals mit überragender Mehrheit dem Vorschlag zustimmte, übte der Darmstädter nicht nur Opposition. Er focht diesen eindeutigen Mehrheitsbeschluß an, wobei die erste Gerichtsinstanz aus rein formellen Gründen die Ankündigung ebenfalls für unzureichend hielt, ohne sich überhaupt mit dem Inhalt des Beschlusses auseinanderzusetzen.

Die von der Schultheiß-Verwaltung beantragte Berufungsverhandlung gegen dieses Urteil findet erst im kommenden März vor dem Kammergericht Berlin statt. Da der Bundesgerichtshof durch ein Urteil vom 27. September 1956 es bereits für zulässig erklärt hat, den angefochtenen Beschluß einer HV durch einen späteren Beschluß des gleichen Organs bestätigen zu lassen, stand die Satzungsänderung – nunmehr formvollendet mit der Gegenüberstellung von alter und neuer Fassung im Geschäftsbericht – erneut zur Debatte und wurde gegen eine verschwindende Minderheit gebilligt, zumal nun bereits der doppelte Betrag eingespart wird.

Wenn die HV durch Pfui- und Buhrufe dem Opponenten ihr Mißfallen ausdrückte, so nicht wegen seiner Halsstarrigkeit, ein höchstrichterliches Urteil auch weiterhin für unverbindlich zu halten. Er hatte nämlich, wie Sixtus bekanntgab, nach der Einreichung seiner Klage, also während eines schwebenden Verfahrens, in einer Anzeige an den Generalstaatsanwalt des Landgerichts Berlin den Verdacht geäußert, die Verwaltungsbezüge stünden in einem unangemessenen Verhältnis zur Ertragslage des Unternehmens, das in den letzten beiden Jahren je 16 % Dividende und damit mehr ausgeschüttet hat als manche der im Börsenkurs höher bewerteten Brauereien. Dieses Verfahren ist inzwischen nach eingehender Prüfung als gegenstandslos eingestellt worden. Mit gutem Grund konnte Sixtus auf den erheblichen und unnötigen Arbeits- und Zeitaufwand hinweisen, der bis dahin geleistet werden mußte.

Den Vätern der noch ausstehenden Aktienrechtsreform hat der Darmstädter Opponent, wie Experten zu berichten wissen, durch seine jahrelange Obstruktion manchen wertvollen Hinweis geliefert, wie nicht etwa die Rechte der Aktionäre eingeengt, wohl aber unqualifiziertes Querulantentum verhindert werden kann. G. G.