Vor einem Jahr gab die ZEIT einen umfangreichen Überblick über die Situation der Teilzeit- und Bedarfsbeschäftigung in der Bundesrepublik. Darin wurde darauf hingewiesen, daß die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und die ihr angeschlossenen Arbeitsämter sehr viel ideenreicher und vor allem intensiver arbeiten müßten, wenn sie der ihnen vom Gesetzgeber übertragenen Aufgabe und der heutigen Wirtschaftssituation wirklich gerecht werden wollen.

Damals hatte das Arbeitsamt Frankfurt/Main ein privates Vermittlungsbüro für Büroaushilfskräfte unter Berufung auf das deutsche Arbeitsvermittlungs- und Arbeitslosenversicherungsgesetz schließen lassen. Nachdem das Arbeitsamt die unliebsame „private Konkurrenz“ erledigt hatte, eröffnete es in Frankfurt einen Eildienst für Aushilfskräfte, der nach den gleichen Prinzipien wie die Privatfirma arbeitet und bestens floriert.

Im August 1962 richtete das Schweizer Unternehmen unter neuen Voraussetzungen, mit denen es glaubte der deutschen Gesetzgebung zu entsprechen, eine neue Filiale in Hamburg ein. Gleichzeitig wurde ein rechtliche Stellungnahme beim Landesarbeitsamt Hamburg eingereicht. Ebenfalls im Herbst 1962 eröffnete auch das Hamburger Arbeitsamt einen Eildienst nach dem Frankfurter Muster. Er findet guten Zuspruch.

Der Erfolg des Hamburger „Aushilfsdienstes für Handel, Industrie und Administration“ (adia) aber übertraf alle Erwartungen. Werften, Ölgesellschaften, Banken, Versicherungen, Ärzte, Rechtsanwälte, Im- und Exportfirmen bemühen sich um die „Leihdamen auf Abruf“. Sie zahlen, der Vermittler-Firma einen je nach Leistung vereinbarten Stundenbetrag, von dem das adia-Büro eine Gebühr einbehält. Da die Arbeitskräfte weder Kündigungs-, noch Sozial- und Unfallschutz genießen, sondern die Arbeit auf eigenes Risiko eingehen, bezeichnet sie die Vermittlerfirma als „freie Gewerbetreibende“.

Anfang Januar 1963 teilte das Landesarbeitsamt Hamburg der Firma adia mit, daß die Bundesanstalt die eingereichte Stellungnahme der Vermittlungsfirma laut Gesetz nicht anerkennen kann. Daraufhin reichte der Aushilfsdienst eine Feststellungsklage beim Sozialgericht ein, der die gleiche rechtliche Stellungnahme zugrunde liegt, die bei Eröffnung des Hamburger Büros dem Landesarbeitsamt vorgelegt wurde.

Da die adia ihre Arbeit bisher nicht einstellte und den Arbeitsbehörden die Mühlen der deutschen Justiz zu langsam zu mahlen scheinen, erstattete das Landesarbeitsamt am 19. Februar gegen den Leiter des Hamburger Büros wegen Verstoßes gegen § 37 des AVAVG Strafanzeige.

Die Gewerkschaft unterstützt, wie sie sagt, im „Interesse des Arbeitnehmers“ die Bemühungen des Arbeitsamtes, der adia das Handwerk zu legen. Die Firmen, bei denen adio-Damen beschäftigt werden, sind mit der neuen Möglichkeit, sich kurzfristig Aushilfskräfte zu beschaffen, sehr zufrieden. Die Arbeitskräfte selbst, um die dieser Streit unmittelbar entbrannt ist, lehnen den Kontakt mit Arbeitsamt und Gewerkschaft ab.

Man darf gespannt sein, wie das Gericht – diesen Fall entscheiden wird. R. W.