Die Woche brachte ein mäßig interessantes Experiment: die doppelte Ausstrahlung eines englischen Imports, im Original und in Synchronfassung. Die Stücke Mortimers selber und ihre inszenatorische Realisierung durch Stuart Burge können hier einmal außer Betracht bleiben, obwohl da einige Anmerkungen zu Grundfiguren angelsächsischer Bewegungs- und Wortregie zu machen wären.

Die Synchronisierung kann ein Original an den Rand des Ruins bringen, weil sie die Kongruenz von Stimme, Physiognomie, Mimik und Gestik aufhebt. Die Synchronisation kann keine divergierenden Auffassungen sichtbar machen. Bringt man dieselben Sachen hintereinander in englischer und deutscher Fassung, so ist der Gewinn an Belehrung nur davon zu erhoffen, daß die Nuancen deutlich werden, die gemeinhin beim eingedeutschten Import verloren gehen. Ein Zuwachs an Kenntnis, der sich in Maßen hält, weshalb denn das NDR-Unternehmen seinen Zweck gleich auf den ersten Schlag erfüllt hat, so daß weitere Doppel-Importe in dieser Richtung nicht mehr notwendig sind.

Sinnvoll über das Filmclubhafte hinaus wären Einfuhren, die wirklich Vergleiche erlauben: also französische, englische oder amerikanische Versionen desselben Vorwurfs, dramatische Realisierungen gleichen Ranges, die in entgegengesetzte Richtung gehen. Ein Hamlet aus London und einer aus Paris, derselbe Brecht aus New York und aus Mailand – von solchen Gegenüberstellungen ist mehr zu erwarten als von der Konfrontation englischen und synchronisierten Dialoges, was denn doch ein bißchen nach Oberseminar schmeckt. lupus