BERLIN (Schillertheater): „Tartuffe“ von Molière

Mit ungewöhnlich differenzierter Kritik reagierte das Premierenpublikum auf eine Molière-Inszenierung des in Berlin keineswegs unbekannten Regisseurs Karlheinz Zeiser. „Ein großer Teil des Publikums revoltierte gegen das Regiekonzept und vertrieb den jungen Regisseur mit lautstarken Buh-Kanonaden schließlich von der Bühne. Umso demonstrativer wurden die Schauspieler gefeiert, allen voran Hans Söhnker als Orgon, Carla Hagen als Dorine und Elsa Wagner als Orgons alte, verblendete Mutter. Bernhard Minettis Darstellung als Tartuffe löste ebenfalls beträchtlichen Widerspruch im Parkett aus, denn er war mehr der Misanthrop Molières als die schillernd komödiantische Figur des heuchlerischen Verführers in der Maske des religiösen Biedermanns.“ Im Hamburger Abendblatt, das sich diesen Sachverhalt aus Berlin berichten ließ, wird weiter vermerkt, daß an Zeisers misanthropischer Tartuffe-Auffassung die alte Übersetzung von Wolf Graf Baudissin mitschuldig sei. Im übrigen „gelang es auf der riesigen Schillertheater-Bühne nur in wenigen Szenen, die psychologisch faszinierende Charakterkomödie herauszuarbeiten ... Molare wurde vom Blatt gespielt“.

TÜBINGEN (Landestheater Württemberg-Hohenzollern):

„Das Schiedsgericht“ von Menander

Goethe setzte eine Sentenz von Menander als Motto über „Dichtung und Wahrheit“. Obwohl er von den überlieferten Bruchstücken des spätattischen Komödiendichters noch wenig wissen konnte, sagte Goethe intuitiv über Menander (342 bis 292 v. Chr.): „Ich halte diesen großen Griechen für den einzigen, der mit Molière wäre zu vergleichen gewesen.“ Vor einigen Jahren ist zum erstenmal eine vollständig aufgefundene Komödie Menanders über unsere Bühnen (und den Rundfunk) gegangen („Dyskolos“, der Menschenfeind). Was jetzt als „Uraufführung“ in Tübingen gezeigt wurde, das entspringt der liebevollen und kenntnisreichen Bemühung des Gräcisten Wolf gang Schadewaldt um eine andere von fünf schon im Jahre 1905 bruchstückhaft aufgefundenen Menander-Komödien. Zu diesem „Schiedsgericht“ gab es bisher eine Ergänzung von Alfred Körte. Schadewaldt nun hat (nach dem Bericht der Welt) „den Anfang, fast einen ganzen Akt, und den Schluß, noch einmal einen halben Akt, dem klassischen Werk hinzugefügt (dazu noch Teile einzelner Szenen) ... Er suchte, von den etwa 900 bekannten Fragmenten Menanders alles einzufügen, was sich in das zu erschließende Szenarium einbauen ließ“. Der so gewonnenen bürgerlichen Sittenkomödie bestätigt Siegfried Melchinger (in der Stuttgarter Zeitung) vollkommene Harmonie des Stils und Fugenlosigkeit sowie „Köstlichkeit der Webart, mit der die beiden Handlungen ineinander verflochten sind“. Das Tübinger Ensemble hat unter der Regie von Ernst Kühr „die Bühnenfähigkeit des Stücks und der Bearbeitung unter Beweis gestellt“. Freilich sei „die Aufführung nur die erste Station auf dem Weg zur Verwirklichung der ganzen Kunst Menanders“ gewesen. Jac

MÜNCHEN (Kammerspiele):

Uraufführung von A. M. Csikys „Bärentanz“