Seit drei Monaten bietet unser Seller-Teller, von milden Variationsversuchen abgesehen, den gleichen Anblick liebgewordener Beständigkeit. Kein Titel, der nicht schon einmal genannt worden wäre. Und so wollen wir zur Abwechslung doch einmal von dem reden, was nicht mehr genannt werden konnte, da es die Fünf-Titel-Klausel verfehlte. Gleich nach Josef Breitbachs „Bericht über Bruno“, dem Buch, das wahrscheinlich den makabren Ruhm für sich in Anspruch nehmen darf, der letzte große Verkaufserfolg, der „alten“ Insel gewesen zu sein, gehören Jewgenij Jewtuschenkos Gedichtbände auf den sechsten Platz („Mit mir ist folgendes geschehen“, Brücken Verlag, Düsseldorf, und „Gegen Grenzen“, Limes Verlag, Wiesbaden). Zwei Bände, von deren Existenz man bisher kaum etwas wußte, deren einer zudem die Übernahme einer spürbar östlichen Auswahl und deren anderer nicht nur Jewtuschenko allein gewidmet ist. Auf einmal werden sie gekauft, nur weil dieser und jener in der Zwischenzeit die Gelegenheit wahrnehmen konnte, den Autor zu hören, mehr noch: zu sehen. Wie unliterarisch und schön, daß doch zuweilen ein Buch auch noch so „Gemacht“ werden kann: ohne das Werbebudget des Verlages, ohne Weihe oder Fluch der Literaturpäpste, ganz allein durch die neugierige Sympathie des Publikums. PeK