Daß die „Insel“, Anton Kippenbergs altehrwürdiges Verlagshaus, zum Verkauf stand, wußten die Eingeweihten seit längerem. Dennoch waren auch sie überrascht von der kurzen, knappen Mitteilung. Es war geschehen. Als neue Miteigentümer und Leiter des Verlages zeichnen Siegfried Unseld und Rudolf Hirsch.

Wenn es irgend jemandem gelingen könnte den ehrwürdigen Namen wieder mit literarischem Leben zu erfüllen, dann, so möchte man meinen, diesen beiden – zumindest jedem von ihnen einzeln; wie sie als Gespann gehen werden, bleibt abzuwarten.

Siegfried Unseld war es schließlich, der – gut beraten von seinem Lektoratsleiter Walter Boehlich – mit geradezu unheimlicher Energie den Suhrkamp Verlag in wenigen Jahren zum literarisch führenden Verlagshaus der Bundesrepublik gemacht hat. Fast die Hälfte unserer jüngeren Literatur erscheint da: von Hans-Erich Nossack, Peter Weiss und (demnächst) Wolfgang Koeppen bis zu Martin Walser, Uwe Johnson und Hans Magnus Enzensberger. In der Bibliothek Suhrkamp, neben den Manesse-Bänden wohl die schönste und anspruchsvollste literarische „Reihe“, wird gerade der 100. Band veröffentlicht. Und vor kurzem ist nun auch der Suhrkamp Verlag, auf die ihm eigene, immer ein wenig andere Weise ins Taschenbuch-Geschäft eingestiegen.

Man müßte meinen, wer für diesen Suhrkamp Verlag verantwortlich zeichnet, für den hätte jeder Tag ohnehin ein paar Stunden zuwenig. Nun, Siegfried Unseld wird (hoffentlich) wissen, was er tut.

Und dazu Rudolf Hirsch, der beinahe schon legendäre ehemalige Verlagsleiter bei S. Fischer. Als er im vergangenen Jahr mit soviel öffentlicher Anteilnahme aus einem Verlag ausschied, der ihm vieles verdankte, fragten wir uns: Was nun?

Die jetzt endlich gegebene Antwort auf diese Frage dürfte im Hause Fischer mit Sorge zur Kenntnis genommen worden sein.

Weitere Veränderungen deuten sich an. Im Stil der Gründerjahre können reine Buchverlage nicht mehr geführt werden. Wer heute kein beruhigendes Polster (einen Fachbuchverlag, eine Buchgemeinschaft, eine gutgehende Zeitung oder Zeitschrift) hinter sich weiß, für den wird das Verlegen von Büchern zum immer riskanteren Geschäft. Die anglo-amerikanische Entwicklung – Konzentration auf wenige Mammutverlage – steht als Schreckgespenst vor uns. Nur ganz bewußte kulturpolitische Maßnahmen könnten das große Verlagssterben verhindern, das der erste größere Konjunkturrückgang mit sich brächte.

Die „Insel“ freilich mit dem bewährten Verlagsleiter Fritz Arnold, der ihr hoffentlich erhalten bleibt – die Flaute, in der die Segel des Inselschiffes schlaff hingen, war gewiß nicht seine Schuld –, und mit den beiden neuen Lotsen an Bord sieht jetzt ganz so aus, als ob sie einigen Stürmen trotzen könnte. Leo