R. S., Bonn, im März

Was hört und liest man da seit einiger Zeit? 25 Stockwerke für Abgeordnetenzimmer, Sitzungsräume, Sekretariate – ein Hochhaus weit über Bonn hinaus sichtbar – für unseren Bundestag! Ein Rundbau auf Stelzen nahe beim Rhein für das Plenum; ein Neubau für die Fraktionen, ein neues Gebäude für den Bundesrat. Wenn man das alles zusammenrechnet, dann kostet die bisher glücklicherweise nur geplante „Metropolis“ einschließlich der berechtigten Entschädigungs- und Zuschußansprüche der Stadt annähernd 200 Millionen D-Mark. Und das bei schrumpfenden Steuereingängen und im Zeichen des Baustopps.

Dr. Gerstenmaier meinte, die Bundestagsabgeordneten müßten endlich „zumutbare“ Arbeitsräume bekommen. Aber das ließe sich wohl auch auf weniger kostspielige Weise erreichen. Man könnte beispielsweise, wie es die FDP vorschlägt, ein Gebäude für den Bundesrat errichten und dessen bisherige Räume den Bundestagsabgeordneten zusätzlich zur Verfügung stellen. Es gibt auch noch andere Alternativvorschläge, sie alle sind sehr viel bescheidener als jener hochfliegende Wolkenkratzer.

Bei allem Verständnis für die Wünsche der Stadt Bonn nach einer dauerhaften Gestaltung des Provisoriums: Wer eigentlich soll uns den öffentlich so gern bekundeten Willen zur Wiedervereinigung noch glauben, wenn wir beabsichtigen, Bonn eine so kostspielige Dauerhaftigkeit zu verleihen?