Vier Söhne von DDR-Ministern sind, ehe Ulbricht die Mauer bauen ließ, in die Bundesrepublik geflüchtet. Einem von ihnen hat jetzt ein hannoverscher Stadtinspektor den Flüchtlingsausweis C verweigert: Peter Probst, der die Geschichte seines inneren Abfalls vom Kommunismus – und damit von seinem Elternhaus – vor einigen Monaten in der ZEIT geschildert hat.

Begründung: „Sie sind nach eigenen Angaben im Geiste des Marxismus-Leninismus erzogen worden. Sie waren überzeugter Jungkommunist, Mitglied der SED, der FDJ und Funktionär in diesen Organisationen. Damit haben Sie dem ... herrschenden System erheblich Vorschub geleistet. Es soll nicht verkannt werden, daß Sie als junger Mensch – wenn auch erst spät – zu der Erkenntnis gekommen sind, daß die Führer des sozialistischen Lagers ... machtpolitische Ziele verfolgen. Sie können aber aus dieser Erkenntnis und den sich daraus für Sie ergebenden parteiinternen Schwierigkeiten nicht eine Anerkennung als politischer Flüchtling herleiten ..., nachdem Sie so lange dem SED-Regime gedient haben.“

Basta, abgelehnt: so einfach machen sich das die Ämter. „Im Geiste des Marxismus-Leninismus erzogen“ – wie anders sollte denn ein SED-Minister seinen Sohn wohl erziehen? „Erheblich Vorschub geleistet“ – aber Peter Probst, der mit 22 Jahren die DDR verließ, hat sich nie in eine Parteikarriere drängen lassen. Und der Vorwurf, die Wahrheit habe er „erst spät“ erkannt, ist pures Pharisäertum. Wann wohl die hannoverschen Sacharbeiter die wahre Natur des Nationalsozialismus erkannt haben?

Verschroben wie die ganze Argumentation ist auch der Schlußsatz des Bescheids: „Ihrem Sicherheitsbedürfnis ist durch die Aufnahme in die Bundesrepublik in ausreichendem Maße Rechnung getragen worden.“ So naiv dürfte nicht einmal ein Bürokrat sein. Immerhin wurden von den vier geflüchteten Söhnen hoher DDR-Funktionäre zwei mittlerweile gewaltsam wieder in die Zone verschleppt; auch auf Peter Probst ist schon ein Entführungsanschlag verübt worden. Deswegen etwa, weil Ulbrichts Staatssicherheitsdienst den verlorenen Sohn – ganz unpolitisch natürlich – wieder seinem Ministervater zuführen wollte?

Jh. S.