Der soeben veröffentlichte Bericht der Deutsche Edelstahlwerke AG, Krefeld, verdient vor allem deswegen Beachtung, weil die DEW wie alljährlich den Bilanzreigen in der Edelstahl-Industrie eröffnet. Die DEW-Zahlen bestätigen jetzt eine Entwicklung, die sich bereits gegen Ende des vergangenen, noch sehr guten Geschäftsjahres abzeichnet: Auch auf diesem sonst so lukrativen Teilmarkt der Stahlindustrie haben sich die Spielregeln verschärft. Die Edelstahlerzeuger verzeichneten rückläufige Umsätze und sinkende Auftragseingänge; die Bestellzugänge blieben zum Teil unter den Auslieferungen der Werke, so zum sich das Auftragspolster nicht unwesentlich verringerte. Deshalb muß sich die Edelstahl-Industrie nach einigen besonders fetten Jahren nunmehr an einem Käufermarkt zurechtfinden; die an sich durchaus gut beschäftigten Edelstahl-Verarbeiter wissen die Vorteile zu nutzen, die ihnen aus den beim Edelstahl in großem Stile angelegten Kapazitätserweiterungen erwachsen.

Die Thyssen-Tochter DEW hat sich mit einem Umsatzrückgang von 10,6 % – auf 580 nach 650 Mill. DM – etwa im Durchschnitt der Branche gehalten; damit hat Krefeld den Höhenflug der letzten Jahre, als das Unternehmen die ungewöhnlich hohen Zuwachsraten von 35,8 % in 1959/60 und 15,6 % in 1960/61 erzielen konnte, erstmals unterbrochen. Die Auftragseingänge blieben im Berichtsjahr um 14 % unter dem Niveau des Vorjahres, sie lagen unter den Umsätzen und dementsprechend hat sich auch der Auftragsbestand verringert. Die rückläufige Entwicklung setzte sich, wie die Verwaltung erklärte, im laufenden Geschäftsjahr fort, wobei allerdings mit vorsichtigem Optimismus davon die Rede ist, daß sich Auftragseingang und Lieferungen Z. wieder die Waage halten. Das gegenwärtige Auftragspolster sichert DEW eine Beschäftigung für etwa 3 Monate.

Preiseinbußen und gleichzeitige Kostensteigerungen, bedingt auch durch die nicht ausreichenden Auslastungen der Anlagen, haben naturgemäß ihre Spuren im Ergebnis hinterlassen. Auch bei dieser Tochter der Thyssen-Gruppe erfahren die noch verbliebenen freien Aktionäre diesmal die Vorteile eines Organvertrages mit einer vermögenden Mutter. Die ATH garantiert eine Ausschüttung von 2 % über den Satz, den die Thyssen-Aktionäre erhalten und das sind also 14 % für die Aktionäre der DEW. Ein Satz, den sie in einem solchen Geschäftsjahr sonst sicherlich nicht erhalten hätten. Die August Thyssen Hütte AG als Muttergesellschaft muß sich mit einem Organergebnis von 5,1 nach 10,1 Mill. DM im Vorjahr begnügen. nmn