Der Abschluß, den die senatseigene Berliner Bank AG jetzt als erstes Berliner Kreditinstitut für 1962 vorlegt, ist weitgehend gekennzeichnet von der politischen Normalisierung, die das Berichtsjahr der Stadt ungeachtet der im Vorjahr um sie errichteten Mauer gebracht hat. Wenn trotz der, im allgemeinen positiven Entwicklung der Wirtschaftsverlauf in Berlin nicht völlig mit dem in der Bundesrepublik übereinstimmte, wie die erstmals seit 1950 mit nur 2 % hinter der westdeutschen Expansion (4,5 %) zurückgebliebene Zuwachsrate der Industrieproduktion zeigt, so ist dies im wesentlichen strukturbedingt. Einmal war der Arbeitsmarkt in der Bundesrepublik dank der Reserven in Landwirtschaft und Bergbau ergiebiger, zum anderen fiel die ungünstige Altersstruktur der Berliner Bevölkerung dabei besondes ins Gewicht.

Dieser politische und wirtschaftliche Hintergrund, der in keinem anderen Gebiet Deutschlands so unmittelbar wie auf der „Insel“ Berlin das wirtschaftliche und monetäre Geschehen beeinflußt, hat sich auch deutlich im Geschäft der Berliner Bank AG niedergeschlagen. Infolge der langsameren Expansion ist ihr Geschäftsvolumen im Berichtsjahr nur um rund 5 % auf 1213,2 (1156,6) Mill. DM gestiegen. Die politische Beruhigung gegenüber dem Vorjahr, als die Mauer errichtet wurde, kommt in der Umkehr im Verhältnis von Kredit- und Einlagenwachstum zum Ausdruck. Dem beträchtlich auf 53 (23,7) Mill. DM gestiegenen Einlagenzuwachs, der erstmals seit Bestehen des Instituts mit 1014,9 (961,9) Mill. DM den Bestand von einer Mrd. DM überschritt, stand die Ausdehnung des Kreditvolumens um nur 26,3 (113,2) auf 689,3 (663) Mill. DM oder um 4 (20,6) % gegenüber.

Noch deutlicher läßt sich die Normalisierung des politischen Klimas an der Einlagenentwicklung ablesen. Außer von Banken, die am Stichtag 139,9 (133,8) Mill. DM Sicht- und Termineinlagen hielten, stammten von der Kundschaft insgesamt 875,0 (828,1) Mill. DM. Insgesamt hat die Bank auf ihren um 10 791 (8026) auf 240157 (229 366) gestiegenen Konten ohne interne Verrechnungen 63,7 (62,1) Mrd. DM umgesetzt.

Noch mit Wirkung zum Stichtag sind, wie vorgesehen, die Vereinsbank in Hamburg und die Westfalenbank AG, Bochum, mit je 25 % Beteiligung in die 1959 gegründete Allgemeine Bankgesellschaft mbH, Frankfurt, eingetreten, die sich bis dahin im Alleinbesitz der Berliner Bank AG befand. Noch 1960 war deren Stammkapital auf 8,0 Mill. DM verdoppelt worden; jetzt hat sich bei der Berliner Bank AG das Beteiligungskonto um den Buchwert um 5,0 auf 9,2 Mill. DM ermäßigt. Vorab wurden der freien Rücklage 3,4 (3,0) Mill. DM und der seit 1960 bestehende Gewinnvortrag von 0,6 Mill. DM zugewiesen, die damit 27,0 (23,0) Mill. DM erreicht. Zusammen mit dem unveränderten Aktienkapital von 30 Mill. DM und der gesetzlichen Rücklage von 3,0 Mill. DM verfügt das Institut damit jetzt über 60 (56) Mill. DM Eigenkapital.

Der auffallend niedrige Steueraufwand von 4,8 (8,3) Mill. DM läßt, wie der Vorstand vor der Presse erläuterte, keinesfalls auf einen entsprechenden Ertragsrückgang schließen. Die Differenz von 3,5 Mill. DM setzt sich aus mehreren Sonderfaktoren zusammen. So waren im Vorjahr einmalig fast eine Million DM zusätzlich zu zahlen. Andererseits war die Bank bemüht, ihren Bestand an steuerfreien und steuerbegünstigten Wertpapieren zu erhöhen. Schließlich hielt sie es für richtig, für einige Positionen besonders vorsichtige Wertberichtigungen einzusetzen. Insgesamt müsse der Steuerposten als „überhaupt nicht typisch“ angesehen werden. G. G.