Lieber Freund,

ich kann Dir nicht beipflichten, wenn Du das Verhalten unseres jetzigen Verteidigungsministers für zweideutig erklärst. Im Falle des Stalingrad-Spiels und im Falle Geesthacht hat er sich doch vollkommen eindeutig verhalten, eindeutig auch zu verstehen gegeben, wes Geistes Kind er ist.

Meine persönlichen Angelegenheiten lassen sich gar nicht gut an. Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfuhr (eine Kusine der Sekretärin meines Schulrats huldigt gemeinsam mit meiner Frau dem Kanastaspiel), liegt die Ursache meiner Schwierigkeiten nicht allein in meiner misch-ehelichen Abkunft, wie ich im ersten Schrecken annahm.

Meine Bibliothek – so wußte die Kusine der Sekretärin zu berichten – weise allein innerhalb des Buchstabens G so unterschiedliche Autoren wie George und Gorki, Graß und Guardini auf.

Da ich nicht annehme, daß meine Frau unfreiwillig Spitzeldienste leistet, tippe ich auf den Kollegen, der die Verbandsbeiträge kassiert und hin und wieder in meinem Studierzimmer wartet. Wahrscheinlich läßt er auftragsgemäß die Augen über die Rücken meiner Bücher schweifen, wirft wohl auch ab und zu einen Blick auf meinen Schreibtisch, denn nur so kann er „Gedrucktes von der SPD“ und das „Hamburger Magazin“ (Zitate von der Kusine) entdeckt haben.

Die Ur-Ursache der Spannungen liegt allerdings – nach besagter Dame – in der Tatsache, daß ich vor drei Jahren schon die Ansicht äußerte, es wäre gut, wenn wir Strauß loswürden.

Nun sind wir ihn ja los, und sogar unser Pfarrer äußerte neulich: „Gut, daß wir den los sind“. Man sollte meinen, damit wäre doch jeglicher Grund, mir zu grollen, beseitigt, aber nein: Daß ich vor drei Jahren schon einen Wunsch äußerte, den politische Notwendigkeit mir erst jetzt erfüllt hat, wird mir als Zeichen „penetranter fortschrittlicher Rechthaberei“ angekreidet.