Zahlreiche Zuschriften zu unseren Gespräcien über das Sparen in festverzinslichen Papieren lassen darauf schließen, meine verehrten Leser, daß immer noch eine Reihe von Fragen offen geblieben ist. Selbst auf die Gefahr hin, daß Sie mir Phantasielosigkeit in der Wahl der Themen vorwerfen, wollen wir uns heute noch einmal abschließend über den Rentenmarkt unterhalten.

In Ihren Briefen, meine verehrten Leser, finde ich immer wieder die Frage: „Wie kommen auf dem Rentenmarkt die unterschiedlicher, Kurse zustande Im weitesten Sinne natürlich auch hier, wie auf jedem freien Markt, durch Angebot und Nachfrage. Aber mit dieser Erklärung ist Ihnen vermutlich nicht viel geholfen Deshalb lassen Sie uns etwas in die Einzelheiten steigen.

Der Zins auf dem Kapitalmarkt ist keine feststehende Größe, sondern befindet sich in ewigei Bewegung. Das hängt in erster Linie mit der konjunkturellen Einflüssen zusammen. Läßt beispielsweise die Investitionsbereitschaft in der Wirtschaft nach, wird die Bautätigkeit weniger und verzichtet auch der Staat darauf, über der Kapitalmarkt seine Etats auszugleichen, kurz und gut, wird die Nachfrage nach Kapital geringer, so entsteht so etwas wie ein Kapitalüberfluß. Nach den Marktgesetzen muß das Kapital billiget werden. Also sinkt die Bereitschaft, für das Kapital hohe Zinsen zu zahlen.

Im Augenblick liegt der marktgerechte Zins bei 6 %. Alle neuen Emissionen werden zu diesem Zinssatz ausgegeben. Selbstverständlich trachten die Kapitalanleger danach, einen möglichst hohen Zins zu erhalten. Sie beginnen nach Papieren zu suchen, bei denen die effektive Verzinsung über dem Satz von 6 % liegt. Durch die Nachfrage nach solchen billigen Werten steigt deren Kurs, bis er sich letztlich ebenfalls auf eine Rendite von 6 % eingependelt hat. Daß man bei der Ausrechnung der Rendite nicht nur die Zinsen berücksichtigen darf, sondern auch gleichzeitig die Tilgungsgewinne und -verluste, habe ich versucht, Ihnen in der vorangegangenen Ausgabe klarzumachen.

Da die Rechnung nicht immer einfach ist und man dazu die jeweiligen Emissionsbedingungen genau kennen muß, kommt der Normalsparer nicht ohne Hilfe seiner Bank oder Sparkasse aus. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, daß sich alle Rentenwerte (bei denen die steuerlichen Voraussetzungen gleich sind) auf ein ziemlich einheitliches Rendite-Niveau (nicht Kursniveau) einpendeln.

Nehmen wir nun einmal an, daß eines Tages der marktgerechte Zins auf 5 1/2 % zurückgehen wird. Dann werden sich alle im Markt befindlichen festverzinslichen Papiere auf den neuen Zins (Landeszinsfuß) einpendeln. Im Einzelfall bedeutet das, daß die Kurse solcher Emissionen, deren Nominalzins auf 6 % und höher lautet, auf über 100 % heraufgesetzt werden. Die niedriger verzinslichen Emissionen schieben sich von unten näher an den 100-%-Kurs heran. – So entstehen die „großen“ Kursbewegungen am Rentenmarkt.

Daneben gibt es natürlich auch Schwankungen, die nicht mit Zinsgründen zu erklären sind. Und hier kommen wir zum Thema „Kurspflege“. Von einem festverzinslichen Papier kann der Sparer eine gewisse Stetigkeit im Kurs verlangen, natürlich keinen Schutz vor den eben erwähnten „großen“ Kursbewegungen. Würde man in den Forderungen so weit gehen, passiert nämlich folgendes: Eine Hypothekenbank verkauft sechsprozentige Pfandbriefe zum Kurs 99 %. Steigt der Landeszinsfuß nun auf 6 1/2 %, so müßte der Kurs der sechsprozentigen Papiere fallen. Hielte’ nun aber die Hypothekenbank den Kurs ihrer 6 %igen Pfandbriefe auf 99 %, d.h. würde sie jedes Angebot in ihren Papieren auf dieser Basis aufnehmen (ihre Papiere zurückkaufen), so muß sie damit rechnen, daß sie in kurzer Zeit ihre gesamte Emission im eigenen Portefeuille versammelt hat. Denn die Anleger werden sofort die sechsprozentigen Papiere in sechseinhalbprozentige Werte tauschen, die ihnen eine bessere Rendite bringen.