Ich bin Lehrer Bense und komme wegen Ihres Sohnes, der ja zu Ostern eingeschult wird. Ist’s Ihnen recht, wenn ich einen Moment hereinschaue?“

Mir ist’s recht. Ich finde es sogar großartig, daß Herr Bense sein Wochenende opfert und Sonnabendnachmittag um fünf kommt, in jener Stunde, die geschäftlichen und beruflichen Besuchen so abhold und privaten menschlichen Unterhaltungen so zuträglich ist.

Der neue Lehrer also. „Nein, ich bin nicht direkt der künftige Klassenlehrer Ihres Sohnes. Das wird wohl ein ganz junger sein. Aber die Hausbesuche machen wir Älteren. Wissen Sie...“

Man kommt ins Plaudern, so nach dem Motto: Wissen Sie noch ...? Ach, bei Ihnen auch ...? Vertraute Erinnerungsbilder verlieren ihre Patina. Herrlich, so ein richtiger alter Lehrer! Herr Bense und ich schwelgen.

Aber dann wird Herr Bense wehmütig. Vorbei, vorbei die schöne Zeit. „Selbst wir alten Lehrer kennen uns ja kaum noch aus bei dieser Unsicherheit in der Pädagogik. Was sollen da die Eltern erst sagen? Die sind völlig ratlos und können noch nicht mal die Hausaufgaben beaufsichtigen. Kennen Sie die Ganzwortmethode?

Schrecklich, schrecklich das alles. Man sieht sich zutiefst in Sorge gestürzt, weil man den eigenen Kindern da nicht helfen kann.

„Dabei ist das mehr denn je notwendig. Die Kinder lernen ja ohnehin schon viel weniger als wir damals“, sagt Herr Bense bekümmert, „und Sie wissen ja von der neuen Devise: Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus.“ Ja, aber wie, wenn...? „Es gibt da natürlich eine große Hilfe“, tröstet Herr Bense gütig und holt ein Heft aus der Tasche. Fein gedruckt, ist da alles erklärt, mit Zeichnungen, Proben, Übungsbeispielen. Der Lehrer zieht meinen Sohn herbei, der „Haus“ in einer Minute lesen kann – nach der Ganzwortmethode. Ich bin erleichtert. –