Die neue „Neue Rundschau“ hat drei neue Herausgeber: Golo Mann, Harry Pross und Herbert Heckmann. Sie hat auch einen neuen Redakteur: Rudolf Hartung löste Rudolf Hirsch ab, der die Zeitung zwölf Jahre hindurch geleitet und redigiert hatte.

Äußerlich hat sich die traditionsreiche deutsche Kulturzeitschrift – sie erscheint nun im vierundsiebzigsten Jahrgang – kaum verändert: Der Umfang ist geblieben, nach wie vor sachlich ist das Titelblatt, sauber der Druck, fest das Papier. Und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ inseriert noch immer auf der letzten Umschlagseite.

Wie steht es um den Inhalt?

Zweierlei bestimmte das Bild der „Neuen Rundschau“ von jeher: die Qualität der Beiträge, nur Autoren von Rang waren zugelassen, und die Erstdrucke aus dem reichhaltigen S.-Fischer-Fundus: Bewährtes und Gediegenes auch hier.

Daran wird sich kaum etwas ändern: Die lange Autorenliste zeigt es. Neben den illustren Herausgebern schreiben prominente Mitglieder der Gruppe 47 und andere Dichter: Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Reinhard Lettau, Paul Celan, Peter Rühmkorf und Günter Graß; Kritiker wie Joachim Kaiser, Reinhard Baumgart und Wolf Jobst Siedler treffen sich; Walther Killy ist dabei; Wilfried Berghan und Enno Patalas nehmen sich auch hier des Films an, und Carl Zuckmayer beschließt den vielfältigen Reigen.

Man spürt: was Rang und Namen hat, soll in der neuen Rundschau schreiben, Autoren aus allen politischen und geistigen Himmelsrichtungen – eben jene, die auch die anderen deutschen Zeitschriften regelmäßig beliefern, ob es nun die „Frankfurter“ oder die „Neuen Deutschen Hefte“ sind. Sogar den ehemaligen Chefredakteur von „Sinn und Form“ Peter Huchel finden wir – zwischen Hugo von Hofmannsthal und Franz Kafka.

Man will offenbar keine Zeitschrift mit einer profilierten Richtung – wie etwa die „Frankfurter Hefte“ – sein, sondern ein Forum für profilierte Schreiber, „Merkur“ und „Sinn und Form“ gleichzeitig. Dagegen läßt sich nichts sagen, solange die Herausgeber ein Niveau halten, das die verschiedenen Meinungen zu einem repräsentativen Überblick zusammenspannt, solange sich also eine originale Diskussion ergibt und in der Rundschau nicht nur das steht, was man vom jeweiligen Autor schon anderswo zu lesen bekam. Qualität als alleinstehendes Herausgeberkriterium könnte aber eine fatale Summierung bewirken. Herauskäme wiederum das, was man der alten Rundschau mitunter und gar nicht immer zu Unrecht vorgeworfen hat: die Verbreitung gediegener Langeweile, ermüdende Konturenlosigkeit.