„Liebe will gelernt sein“ (Deutschland; Verleih: Constantin): Die jungen Leute von heute sind erstens immer noch sehr romantisch und zweitens viel solider, als man denkt. Dies zu beweisen, ersann Erich Kästner die Geschichte von der sich liberal dünkenden Mutter, die ihren Sohn ihrem schriftstellernden Bruder in der Großstadt überantwortet, auf daß dieser den jungen Mann in die Gefahren und Freuden der frühen Liebe einweihe. Doch Hansgeorg (Götz George) will weder von Bars noch von Bordellen etwas wissen. Schon vier Jahre nämlich liebt er nur Margot (Loni von Friedl), und seit zwei Jahren schon hat das junge Paar einen Sohn. Als Mutter endlich dahinterkommt, ist sie, von wegen der Pointe, erst arg entsetzt, dann aber doch verschämt stolz. Kurt Hoffmann hat diesen Vorwurf so inszeniert, wie es dem liebenswürdigen Wunschdenken des Autors entspricht. Wer die Geschichte glauben kann, unterhält sich herzlich. rpk

„Die Dreigroschenoper“ (Bundesrepublik; Verleih: Gloria): G. W. Pabst hatte den Stoff zuerst verfilmt und nicht schlecht: Geringfügige Abweichungen von der Vorlage trugen ihm und der Nero den Dreigroschenprozeß ein. Brecht und Weill klagten mit gutem Grund auf das Recht des Künstlers an seinem Werk und verloren. Die Interessen der Industrie blieben siegreich, jede Schändung möglich. Über eine solche ist hier zu berichten: Die pompös angekündigte und mit Vorschußlorbeeren bedachte Filmversion von Wolfgang Staudte – ein Regisseur, von dem immerhin Filme wie „Der Untertan“ und „Rotation“ stammen – hat mit der Dreigroschenoper nur noch Äußerlichkeiten gemein. Von Weill nichts mehr, von Brecht kaum etwas. Die Weillsche Partitur wurde schauderhaft auf Konfektion uminstrumentiert, die Intentionen des Brechtschen Textes aufgehoben oder glatt ins Gegenteil verkehrt. Beispiel: Die Songs, die an der Rampe gesungen werden müssen, wurden mühsam in die Handlung eingeflickt. Mit dem grotesken Ergebnis, daß Peachum-Fröbe, Brechtsche Lehrworte auf den Lippen, mit Frau und Tochter an der Hand, singend und schwitzend die Dekorationen durcheilt, also tölpelig spielt, was gezeigt gehört. Der Zuschauer wird abgelenkt, die Sache ist entschärft und abgetan. Mancher mag sich daran freuen. Auf Klamotte wollte man auch noch hinaus: Polly prügelt sich mit Lucy, und das zwischen aufplatzenden Mehlsäcken; die Hinrichtung klappt nicht, der ironische Auftritt des reitenden Boten ist damit verhunzt, wirkt überflüssig und albern dazu; die billige Gefühlsoper ist nicht parodiert, sondern hergestellt, Curd Jürgens gefühliges Organ macht’s vollends zum Musical. Aber zu einem plumpen und langweiligen. Die abmildernden Untaten sollten wohl in den Bordell-Szenen wiedergutgemacht werden: Hier wird’s verschwenderisch obszön, und die Knef gibt ihr Letztes, um düster-verrufen zu wirken. Das fatale Export-Prinzip bei der Produktion (das Staudte noch nicht entschuldigt) tat den Rest: Sammy Davis schnurrt die Moritaten auf amerikanisch herunter, June Ritchie als Polly begreift offensichtlich nichts von dem, was um sie herum vorgeht, und der wohl auch des Deutschen nicht mächtige Kameramann (von Godard ausgeliehen) liefert so ausgeklügelte wie sinnlose Fahrten durchs üppig-bunte Dekor. Eine Filmproduktion, die derart nach dem Motto: je teurer, je internationaler, desto besser arbeitet, treibt die kommerzielle Spekulation und die Desorientierung des Publikums entschieden zu weit. uwe

„Marschier oder krepier“ (Deutschland, Italien und Spanien; Verleih: Neue Film Allianz): Frank Wisbars neues Preislied auf Landserkumpanei und Heldentod ist eigentlich kein Anlaß für eine Kritik, eher ein solcher für eine kleine Anfrage an die Adresse der Filmselbstkontrolle: Wann hält sich Biebrich an die Satzung und wann nicht? Mit der Zulassung dieses Machwerks hat die Selbstkontrolle ihre Aufgaben in wenigstens zwei Punkten vergessen: Der Film ist eindeutig militaristisch, und er beleidigt einen Staat (Algerien), zu dem Bonn diplomatische Beziehungen unterhält. Die Helden sind Angehörige eines Kommandos der Fremdenlegion, internationale Landsknechte, die sich schlagen, ohne zu fragen warum – und der Film läßt keinen Zweifel daran, daß er ihre Haltung für bewundernswert hält. Die Aufständischen erscheinen dagegen als Folterer und Mörder, bestenfalls – in der Gestalt eines ihrer Führer – als ritterliche Gegner, keinesfalls aber als die Verteidiger nationaler Freiheit im Kampf gegen Fremdherrschaft. Das Schlußbild (ein französischer Offizier nimmt einen algerischen Waisenknaben an die Hand) ist eine Geste der Anmaßung und des kolonialen Hochmuts: als bedürfe ein unmündiges Afrika der führenden Hand eines „erwachsenen“ (und bewaffneten!) Europas. pat