Es ist schon Tradition geworden, daß die Rheinisch-Westfälische Boden-Credit-Bank in Köln als erste Hypothekenbank ihren Jahresabschluß vorlegt. Rheinboden, wie das 1894 gegründete Institut kurz genannt wird, hat 1962 wieder sehr erfolgreich gearbeitet und die Bilanzsumme vor allem durch den um 77 auf 557 Mill. DM erhöhten Hypothekenbestand über die Milliardengrenze ausdehnen können.

Das Unternehmen schlägt seinen Aktionären, darunter zwei Versicherungs-Aktiengesellschaften mit einer Beteiligung von je über 25%, wieder 14 % Dividende vor. Dafür werden 2,10 nach 1,93 Mill. DM gebraucht, weil die Mitte 1961 neu ausgegebenen Aktien erstmals voll dividendenberechtigt sind. Den Rücklagen werden 1,75 Mill. DM (Vorjahr: 3,5) zugewiesen, so daß diese nun das Aktienkapital von 15 Mill. DM um 8,3 Mill. DM übertreffen.

Liegt der ausgewiesene Gesamtgewinn (Dividendenbetrag und Rücklagenzuführung) von 3,87 Mill. DM also beträchtlich unter dem Vorjahresgewinn von 5,43 Mill. DM? Das scheint nur so. In Wirklichkeit war der Gewinn um 2,7 Mill. DM höher als die ausgewiesenen 3,87 Mill. DM. Oder: Das vergleichbare Jahresergebnis war nicht um 1,56 Mill. DM niedriger, sondern um 1,19 Mill. DM höher als im Vorjahr, wenn 1962 nicht anders bilanziert worden wäre als in früheren Jahren.

Erstmals wurde 1962 das Damnum in Höhe von 5,1 Mill. DM (Unterschied zwischen dem Nennbetrag eines Darlehens und dem tatsächlich ausgezahlten Betrag) und das Disagio in Höhe von 1,2 Mill. DM (Abschlag auf ausgegebene Schuldverschreibungen der Bank) periodenechter abgegrenzt, d. h. auf mindestens fünf Jahre verteilt. Das schreibt das im Januar dieses Jahres geänderte Hypothekenbankgesetz ab 1964 zwingend vor, um die ungewöhnlichen Gewinnschwankungen zu verhindern, die durch sofortige Verbuchung des Disagios als Aufwand und durch die sofortige Vereinnahmung des Damnums als Ertrag bislang entstanden und meist zu betriebswirtschaftlich – überhöhten Gewinnausweisen führten.

Die Jahresergebnisse der Hypothekenbanken sind in den nächsten Jahren mit früheren Abschlüssen nur schwer vergleichbar. Erst ab etwa 1966 wird die eingeführte Abgrenzungsmethode zu vergleichbaren Ergebnissen führen, wenn sich alle Hypothekenbanken wie Rheinboden bereits beim Abschluß für 1962 der neuen Methode bedienen. W. Weber