Die englischen Aktienkurse konnten sich nicht nur halten, sondern auf verschiedenen Gebieten sogar noch verbessern. Selbst die schlechteren Zahlen der britischen Handelsbilanz und die abermals höheren Arbeitslosenziffern haben an dieser Entwicklung nichts geändert. Das Kaufinteresse der Anleger konzentrierte sich in den letzten beiden Wochen auf Aktien des Schwermaschinenbaus, der Elektroindustrie und auf „blue-chips“; und zwar hofft man, daß die Regierung mehr Aufträge für den Schiffsbau und für den Bau weiterer Kraftwerke vergeben wird. Textilwerke verbesserten sich auf Grund der optimistischeren Geschäftsberichte dieser Branche.

Das Budget wird für den 3. April erwartet. Die erhöhten Regierungsausgaben sollen zu einer Stimulierung der Wirtschaft führen. Außerdem ist mit Exporthilfen zu rechnen. Die Industrie ist mit der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage wenig zufrieden. Im Oktober 1962 arbeiteten 33 % der Gesellschaften mit voller Kapazität; im Augenblick sind es nur 31 %. Das Auftragsvolumen hat sich seit Oktober 1962 nicht viel verbessert, und die Investitionsausgaben halten sich ebenfalls im bisherigen Rahmen. Ein wichtiger Faktor läßt die Börse aufmerken: Die Kosten steigen nicht so schnell wie im Jahr 1962.

Die Regierungsaufwendungen für Verteidigung im Etatjahr 1963/64 werden voraussichtlich um 65 Mill. auf 770 Mill. Pfund erhöht. Das gesamte Verteidigungsprogramm einschließlich Zivilverteidigung wird ca. 1837 Mill. Pfund betragen. Drei britische Industriesektoren werden hieraus hauptsächlich profitieren: Der Schiffsbau (Cammell, Laird, Vickers), die Flugzeugindustrie (Rolls-Royce, Bristol, Siddeley, Handley-Page) und Elektronik (Decca, Elliott-Automation, Plessy, English Electric, General Elektric). Wertpapierengagements auf diesen Gebieten sollten sich aber auf Gesellschaften der Elektronik beschränken, da diese Unternehmen schon in der Vergangenheit die besten Ergebnisse aufzuweisen hatten.

Von besonderer Bedeutung für die Anlieger ist die Erklärung des neuen Labour-Führers Wilson, daß die Stahlindustrie bei einer Labour-Regierung wieder verstaatlicht werde. Die Stahlaktien stehen deshalb unter Druck. Da das Labour-Programm eine Verstaatlichungswelle bei Industrieunternehmen vorsieht, vermutet man, daß auch andere Branchen, wie z. B. die Chemie-Industrie, teilweise in Staatsbesitz überführt werden sollen.

Bis zum Zeitpunkt, da eine klarere politische Tendenz erkennbar ist, interessieren sich die Anleger für alle Werte, die in Auswirkung der erwarteten Steuersenkungen ein besseres Geschäft erwarten können, besonders also für Kaufhausaktien (Great Universal Stores, Marks & Spencer), für Automobilpapiere (BMC, Jaguars) und für Elektrowerke (Plessey, Hoover). D. S.