Von Adolf Metzner

Der Hamburger Heinz Huth hat ein Kunststück vollbracht, das in der 25jährigen Geschichte der Segelflug-Meisterschaften noch nicht da war: Er wurde zum zweiten Male Weltmeister.

1960 in Deutschland, 1963 in Argentinien.

Das Städtchen Junin, das jetzt im Februar Austragungsort der neunten Weltmeisterschaften im Segelflug war, liegt etwa 250 km von Buenos Aires entfernt in der feuchten Pampa. Aus dem frostklirrenden Hamburg flog Huth in die sengende Hitze des argentinischen Sommers. Über 50 Grad betrug der Temperaturunterschied. Der 55jährige vermied jeden Sonnenstrahl, selbst auf dem Weg zu seinem Flugzeug ließ er sich beschirmen. Ein Verhalten, das als ein kluger Beitrag zum Kapitel „Hitze und Sport“ gewertet werden darf.

Der Deutsche siegte in der Standardklasse. Sie wurde eigentlich eingeführt, um den Konstrukteuren einen Anreiz zu geben, nicht nur im Höhenflug schöpferischer Phantasie zu schwelgen, sondern auch ein solides und erschwingliches Leistungsflugzeug zu entwickeln. Ein solcher Segler für jedermann kostet nur ein Zehntel soviel wie manche jener kühnen Neukonstruktionen, die als wahre Wunderwerke in der „Offenen Klasse“ die Kenner, und nicht nur sie, entzücken.

Im Augenblick schwärmen sie für die „Sb 7“, die in Braunschweig gebaut, fast könnte man sagen, gebastelt wird. Die selbsttragende Außenhaut aus Glasfaser und Kunstharz hat es ihnen angetan. Dieses Konstruktionsprinzip, das dem Chitinpanzer der Natur abgeguckt sein könnte, läßt jetzt ein Rieseninsekt unter den Vögeln auftauchen. Trotz seiner vielbewunderten „Sb 7“ konnte aber der Deutsche Kuntz in der Offenen Klasse, die der Pole Makula gewann, als siebzehnter keine Lorbeeren ernten. Nicht nur der perfekte Apparat, sondern eben auch der Mensch, der ihn lenkt, entscheidet über den Erfolg.

Bisher sah es allerdings so aus, als ob der Zufall, wie er durch die Besonderheit der „Kraftquellen“, vor allem der Aufwinde gegeben ist, den sportlichen Charakter der Segelflug-Wettbewerbe in Frage stelle.