DIE ZEIT

Laue Versöhnung

Bis zu ihren letzten Hinterbänklern spürt die CDU, wie gefährlich der immer wieder aufflackernde Streit um die Nachfolge des Bundeskanzlers für sie ist, wie sehr ihr die öffentlich ausgetragenen Kontroversen zwischen Adenauer und Erhard schaden.

Amerikas farbiges Zehntel

Als er im Wahlkampf um das Präsidentenamt rang, hat John F. Kennedy gefordert, alle Amerikaner sollten nicht nur die gleichen Pflichten, sondern auch die gleichen Rechte haben.

Allzu hoch hinaus

Was hört und liest man da seit einiger Zeit? 25 Stockwerke für Abgeordnetenzimmer, Sitzungsräume, Sekretariate – ein Hochhaus weit über Bonn hinaus sichtbar – für unseren Bundestag! Ein Rundbau auf Stelzen nahe beim Rhein für das Plenum; ein Neubau für die Fraktionen, ein neues Gebäude für den Bundesrat.

Kleine Koalition in Berlin

Drei Tage vor der konstituierenden Sitzung des neuen Berliner Abgeordnetenhauses ist der Regierende Bürgermeister Willy Brandt zu einem zweitägigen Besuch nach Österreich geflogen.

Pankows billige Agenten

Das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht in Schleswig hat in diesen Tagen eine düstere Bilanz gezogen: Im Jahre 1962 mußten die Schleswiger Richter in 76 Verfahren über Einwohner der Bundesrepublik zu Gericht sitzen, denen die Anklage vorwarf, verräterische Beziehungen zum sowjetzonalen Nachrichtendienst aufgenommen zu haben.

Amtsstubenhorizont

Vier Söhne von DDR-Ministern sind, ehe Ulbricht die Mauer bauen ließ, in die Bundesrepublik geflüchtet. Einem von ihnen hat jetzt ein hannoverscher Stadtinspektor den Flüchtlingsausweis C verweigert: Peter Probst, der die Geschichte seines inneren Abfalls vom Kommunismus – und damit von seinem Elternhaus – vor einigen Monaten in der ZEIT geschildert hat.

Zeitspiegel

„Es heißt, je größer die Rohre seien (die westliche Länder für Ölleitungen in die Sowjetunion liefern), desto mehr Angst hätten die Amerikaner.

Was wird aus Laos?

Während Premierminister Suvanna Phuma und König Savang Vatthana auf Weltreise sind, wird gemeldet, daß die Kommunisten schon fast die Hälfte von Laos unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Dienst in vier Erdteilen

Was mir in 75 Lebensjahren, auf fünfzehn Posten, unter vier Regierungen, in vier Erdteilen und zwei Weltkriegen, vor allem aber danach begegnet ist, würde mühelos Bände- füllen.

„Der Papst beißt nicht, und wir beißen auch nicht“

Chruschtschows Schwiegersohn Alexej Adschubej, Chefredakteur der Iswestia und Handlungsreisender in hoher Kremlpolitik, der mit seiner Frau vor zehn Tagen in Rom auftauchte, ist inzwischen nach Neapel und, wie es heißt, Florenz, Venedig und Mailand weitergefahren.

Bricht die Achse Moskau-Peking?

Verehrte Hörer, wenn Sie die deutsche Übersetzung dieses Leitartikels haben möchten, bitte schreiben Sie uns. Wir werden Ihnen ein Exemplar schicken.

„Wasserbomben müßte man haben“

Könnte die Bundesmarine nicht aus Versehen ein paar scharfe Wasserbomben dort fallen lassen?“ Stoßseufzer dieser Art sind neuerdings in bremischen Amtsstuben zu hören, bei jenen Behörden nämlich, die mit den zahlreichen Wracks vor der deutschen Nordseeküste zu tun haben.

Fangfragen für den Staatsanwalt

In einer Hotelhalle in Kopenhagen unterhielt sich jüngst der hessische Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer mit einem Journalisten.

Ein Rangierer verbessert sich

Schilz mußte um vier auf dem Rangierbahnhof sein. Seine Frau stand am Küchenfenster, als wir uns vor dem Zigarettenautomaten trafen.

Doppelaxel nach Beethoven

Wenn die letzte Stunde im Kürlaufen der Damen am Sonntagnachmittag nicht gewesen wäre, man könnte diese Weltmeisterschaft im Eiskunstlaufen 1963 wahrlich schnell vergessen.

Ikarus mit Rechenschieber

Das Städtchen Junin, das jetzt im Februar Austragungsort der neunten Weltmeisterschaften im Segelflug war, liegt etwa 250 km von Buenos Aires entfernt in der feuchten Pampa.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Die Theorie, daß auf dem Mars Kanäle existieren, die von intelligenten Lebewesen geschaffen worden seien, dürfte nun endgültig widerlegt sein.

Das seltsame Licht am Nordhimmel

Der Meteorologe genießt heute den Ruf eines Wochenend- und Urlaubsverderbers. Das ist nicht viel. Außerdem genießt er eine gründliche Ausbildung und die Mithilfe ausgeklügelter Apparaturen sowie eines weltweiten Nachrichtendienstes bei seiner Arbeit.

Zeitfragen: Wer ist wer?

Wer von der deutschen Literaturkritik nicht gering denkt, der zählt wohl zwanzig Kritiker der Bundesrepublik, die „zählen“; es fielen ihm dann noch vier Schweizer ein und drei Österreicher und Hans Mayer.

Als Künstler unter Kernphysikern

Arbeiter schickten sich an, das mit Sackleinwand verhängte Baugerüst abzutragen, das einige Wochen lang eine Außenwand des Krematoriums verdeckt hatte.

Brief aus dem Rheinland (V)

ich kann Dir nicht beipflichten, wenn Du das Verhalten unseres jetzigen Verteidigungsministers für zweideutig erklärst. Im Falle des Stalingrad-Spiels und im Falle Geesthacht hat er sich doch vollkommen eindeutig verhalten, eindeutig auch zu verstehen gegeben, wes Geistes Kind er ist.

Kleiner Kunstkalender

Vor hundert Jahren hat Paris die spanische Malerei entdeckt, mit den nachhaltigsten Folgen für die französische Malerei, Manet hatte seine spanische Periode, Courbet und sogar der sanfte Millet wurden betroffen und verändert.

Noch im März...

Es kann nicht verkannt werden, daß sich in den letzten Wochen allenthalben eine gewisse Besorgnis hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung breitmacht.

Karajans Beethoven

Wer in unserem Kulturkreis aufwächst und musikalisch ist, empfängt schon in früher Kindheit ein Beethovenbild. Später kommt vielleicht noch Urteil hinzu, Spezialisierung und vorübergehende, hochmütige Abkehr.

Neuer Realismus

Neulich konnte man endlich auch bei uns in München die Werke der Neuen Realisten bewundern, mit denen ich mich noch etwas schwer tue, weil ich sehr konservativ bin und mich vorerst nicht damit abfinden kann, daß das alte klassische Informel abgewirtschaftet haben soll und der gute, traditionsreiche Tachismus nun zu den Ladenhütern gehört.

Der Kampf um die Gipfel

Schon die beiden Einleitungsakkorde kündigen eine moderne „Eroica“ – 3. Symphonie in Es-Dur, Opus 55 – an. Sie kommen federnd und gewaltig, aus dem Handgelenk und doch ernst.

Zeitmosaik

Die Preise der Stiftung Eugenio Balzan für 1963 wurden Ende Februar vergeben. Prominentester Preisträger (Friedenspreis) ist Papst Johannes XXIII.

Verteidigung des Wolfes gegen das Schaf

Wolfgang Schwerbrock hat die öffentlichkeit im vergangenen Herbst mit zwei Büchern „überrascht; überrascht im wahren Sinne, denn niemand hätte von ihm eine Geschichte der deutschen Literatur, niemand eine kommentierte Ausgabe bisher in Deutschland unbekannter Briefe von Karl Marx erwartet.

Die neue „Neue Rundschau“

Die neue „Neue Rundschau“ hat drei neue Herausgeber: Golo Mann, Harry Pross und Herbert Heckmann. Sie hat auch einen neuen Redakteur: Rudolf Hartung löste Rudolf Hirsch ab, der die Zeitung zwölf Jahre hindurch geleitet und redigiert hatte.

Nach sieben Jahren noch tabu

Der Dichter Werner Riegel verachtete Literaturbetrieb, mißtraute allen Vehikeln des Erfolges, Rundfunk und Presse; von einflußreichen Zusammenschlüssen hielt er sich fern.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT, in 23 kurze Kapitel gegliedert (darunter „Hamburgs ‚Bunte Kuh‘ besiegt Störtebeker“, „Problematischer Ruhm der Inselfestung“, „Kleine Hinweise für Helgolandgenießer“), einen vollständigen und sehr gut lesbaren Überblick über Vergangenheit und Gegenwart der Insel.

Theater

Helmut Käutner entdeckte seine Liebe zur Oper, als er in Hamburg Henzes „Prinz von Homburg“inszenierte und den Ansager in Strawinskijs „Oedipus Rex“ sprach: „Möglichkeiten der Formgebung, die ich nie gekannt hatte“.

Film

„Liebe will gelernt sein“ (Deutschland; Verleih: Constantin): Die jungen Leute von heute sind erstens immer noch sehr romantisch und zweitens viel solider, als man denkt.

Fernsehen: Kafka als Ehrenrettung

Spoerls „Maulkorb“ hält sich hinsichtlich der Subtilität des Komischen in ziemlich bescheidenen Grenzen. Mit Dieter Rohkohls Ohnsorg-Komödie „Vater Philipp“ verglichen, stellt sich allerdings selbst diese doch vergleichsweise bescheidene „Zerbrochene-Krug“-Imitation als ein Muster intellektueller Differenziertheit dar.

Zum Schlafen pfeift man Mozart

Es geschah etwas äußerst Ungewöhnliches. Wo es nach dem Brauch der Branche kräftig verlockte, mit rührender Musik alles noch ein bißchen trauriger zu machen, war nichts zu hören als die Stimme des Reporters und Originalgeräusche: Flüstern, Stöhnen, ein singendes Kind, Schlurfen, Knarren, Seufzen.

Grandeur kostet Geld

Die Spannungen in der französischen Wirtschaft haben sich in den letzten Monaten unter dem Einfluß des langen und strengen Winters verschärft.

Zeitraffer

Im letzten Jahr nahm die Zahl der männlichen Lehrlinge um 20 700 (2,6 %) ab. Einer Abnahme bei 19 Berufsgruppen stand jedoch eine Zunahme bei 7 Berufsgruppen gegenüber.

Am Rande notiert

Der Frühling ist offenbar nicht mehr aufzuhalten und Ludwig Rosenberg, der Erste Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, ist ein kluger Mann.

So geht’s auch

Nicht alle Bonner Versäumnisse auf dem Gebiet der Zivilverteidigung können nach vielfach bewährter Manier mit dem Fehlen einer deutschen Notstandsgesetzgebung entschuldigt werden.

+ Weitere Artikel anzeigen