Spoerls „Maulkorb“ hält sich hinsichtlich der Subtilität des Komischen in ziemlich bescheidenen Grenzen. Mit Dieter Rohkohls Ohnsorg-Komödie „Vater Philipp“ verglichen, stellt sich allerdings selbst diese doch vergleichsweise bescheidene „Zerbrochene-Krug“-Imitation als ein Muster intellektueller Differenziertheit dar.

Immerhin hatte Hans Quest bei seiner Fernseheinrichtung des einst durch Rühmann zu Filmruhm gekommenen Stückes die Siehe so weit der Konkurrenz aus dem Ohnsorg-Theater angeglichen, daß Wochenauftakt und Wochenausgang in ähnlichem Geist stattfanden. Beides machte ärgerlich: denn einmal wurde auch ein so grandioser Schauspieler wie Werner Hinz beim chargierenden Ausspielen jeder Wirkung verschlissen, zum anderen aber ruiniert ein Ensemble seine Reputation, die auf dem Volkstümlich-Niederdeutschen und nicht auf dem Anachronistisch-Zeitgemäßen beruht.

Mißmut auch in der Wochenmitte: das Podiumgespräch über „Prüderie und Literatur“ präsentierte nicht nur dasselbe Thema, das nun schon seit Monaten in Vorabdrucken und Diskussionen abgehandelt wird – es präsentierte auch dieselben bewährten Gesprächsteilnehmer von Marcuse bis zu Generalstaatsanwalt Bauer, die in der Erörterung des Themas auch in Zukunft nicht nachlassen wollen und demnächst noch einmal in einer evangelischen Akademie über das Obszöne streiten wollen.

Fernsehteilnehmer müssen also die Themen ihrer Zeit verschlafen, um an Diskussionen dieser Art Gefallen zu finden: Sonst sind ihnen Gegenstände, Teilnehmer und Argumente alle längst vertraut, wenn sie die Röhre anknipsen. Das Fernsehen soll Diskussionen schaffen, nicht ihnen nachäffen.

Da auch Theodor Schübeis „Besuch am Nachmittag“ einem ganz hübschen Einfall dramaturgisch und dramatisch nicht gewachsen war, blieb nur Willi Schmidts Kafka-„Demonstration“ „In der Strafkolonie“ zur Rechtfertigung einer ganzen Fernsehwoche. Aber dieses höchst interessante und intelligente Experiment war in einer Bühnenversion schon vor Monaten in der Berliner Akademie der Künste zu sehen, und damals ist ja all das gesagt worden, was zu dergleichen choreographischen Dramatisierungen von Texten der großen Literatur zu sagen ist. Daher hier nur das: die Angelegenheit hat auf dem Bildschirm kaum verloren, da Schmidt selber sie sehr geschickt auf die Bedingungen des Miniaturformats zugeschnitten hat. lupus