Neulich konnte man endlich auch bei uns in München die Werke der Neuen Realisten bewundern, mit denen ich mich noch etwas schwer tue, weil ich sehr konservativ bin und mich vorerst nicht damit abfinden kann, daß das alte klassische Informel abgewirtschaftet haben soll und der gute, traditionsreiche Tachismus nun zu den Ladenhütern gehört.

Ich hinke immer um etwa eine Stilepoche nach. Jedenfalls haben wir in München, wie man dem Katalog entnehmen konnte, den Anschluß an Mailand und Tokio (und was ist mit Lima?) hergestellt, wo man schon viel länger ausgediente Wecker ausstellt und wo Kunstwerke aus alten Hüten längst alte Hüte sind.

Als ich mich, etwas angeschlagen, im Ausstellungshof erging, wies ich meine Frau auf eine Ansammlung von übereinanderliegenden Öl-Zu Hause verfiel Ingwelde, während ich für uns ein paar Nüsse knackte, in tiefes Nachdenken. Ich ahnte daher nichts Gutes. „Wenn man das kann – alte Brote als Bild aufhängen, dann kann man doch auch einen Schritt weitergehen. Ein Tier ausstellen; zum Beispiel ein Kaninchen.“

„Wenn das der Tierschutzverein zuläßt“, gab ich zu bedenken.

„Oder vielleicht sogar einen ... Menschen!“

Mir stockte der Atem. Ingwelde war wie immer ihrer Zeit um drei Monate voraus.

„Man könnte dich ins Wohnzimmer hängen“, sagte sie plötzlich, in fast grüblerischer Stimmung.