W. K., München

An einigen jungen Leuten exemplifizierte letzte Woche der Generalsekretär der CSU, Friedrich Zimmermann, daß die Führung der bayerischen Regierungspartei auch nach dem Fiasko, das sie mit dem „Fall Guttenberg“ erlebte, nicht gewillt ist, sich öffentlicher Kritik aus den eigenen Reihen zu stellen. Die jungen Leute gehören dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) an, einer Organisation, die den beiden Schwesterparteien CDU und CSU zwar nicht angeschlossen ist, vornehmlich jedoch von deren Mitgliedern getragen wird. Der Ring ist auf Bundesebene verbreitet, führt aber in Bayern insofern ein Eigenleben, als sein Landesverband unter dem Titel „Argus“ ein eigenes Informationsblatt herausgibt. Franz-Josef Strauß wird im RCDS als Ehrenmitglied geführt. Die CSU-Landesleitung bedenkt das Informationsblättchen je Ausgabe mit 800 bis 1000 Mark Druckkostenzuschuß. Dies seit sieben Jahren.

Bislang konnten die Studenten stets darauf vertrauen, daß diese Zuschüsse von der CSU-Geschäftsstelle pünktlich eintrafen. Seit das Blatt aber in der vergangenen Woche gegen den Parteiapparat aufzumucken wagte, bleiben die Gelder aus. Das Generalsekretariat strich den Zuschuß kurzerhand; die März-Ausgabe von „Argus“ fiel aus.

Anlaß zu solch drastischen Maßnahmen gab der CSU-Landesleitung ein Artikel, der unter der Überschrift „So geht es nicht“ erscheinen sollte. Die Verfasserin, die junge Studentin Cornelia Hoppe, nannte den Parteivorstand schlich „untragbar“ und schrieb: „Nun reicht es. Bayern ist vorerst mit dem Bedarf an Affären eingedeckt. Es fing mit Franz-Josef Strauß an, dessen Verfehlungen durch die Veröffentlichung des Spiegel-Berichts eindeutig sind; dann kam der Fall Frauendorfer; jetzt geht es um den Fall Guttenberg. Was man sich hier in der Spitze der CSU geleistet hat, das kann nicht mehr mit Gleichgültigkeit und wohlwollendem Verständnis aufgenommen werden. Die Spitze ist, wenn sie nicht krank ist, doch zu sehr zu einen politischen und parlamentarischen Freistil übergegangen, der mehr als befremden muß.“

Solche Worte – das hätten die Studenten wissen können – mußten in der Parteizentrale schockieren. Daß sie ausgerechnet aus der Münchner Hochschule kamen, war auch nicht erstaunlich. Die vier Münchner Hochschulgruppen gelten im Gegensatz zu denen der Würzburger Universität als Rebellen. Nicht zufällig waren es auch einige Münchner Ortsgruppen der CSU, die als erste nach dem „Fall Guttenberg“ eine Umbesetzung der Parteispitze forderten.

Generalsekretär Zimmermann aber demonstrierte auch im Falle der rebellischen Studenten, wie man mit Geschick kritische Situationen meistert. Er rief den Landesvorsitzenden des RCDS, Alfons Sponsel, zu sich, einen jungen Mann, der dem stellvertretenden CSU-Vorsitzenden, Rudolf Eberhard, sehr nahesteht. Sponsel entstammt derselben Stadt, in der Eberhard seine politische Karriere begonnen hat: dem fränkischen Ebermannstadt. Vater Sponsel ist dort Bürgermeister, und Sohn Alfred ließ es an Aktivität nicht fehlen, als sich Eberhard in: letzten November in dem Kreisstädtchen wieder um ein Direktmandat im bayerischen Parlament bemühte. Sponsel führte den Wahlkampf seines Parteifreundes Eberhard so erfolgreich, daß der stellvertretende CSU-Vorsitzende und Finanzminister wieder mit großer Stimmenmehrheit in den Landtag einziehen konnte. So kam es nicht gerade überraschend, daß dieser junge Mann der Landesleitung das Vertrauen aussprach und das vernichtende Urteil seiner Münchner Kommilitonen über die Spitzengruppe der CSU als eine „private Meinung“ abwertete. Der Landesvorstand des RCDS stehe „geschlossen hinter der CSU-Führung“, erklärte Sponsel. Peinlich war nur, daß der Landesvorstand des RCDS noch gar nicht getagt hatte, als Sponsel diese Vertrauenserklärung abgab. Und wohl nicht ganz zu Unrecht schlossen die Münchner Studenten: „Sponsel war nur das Sprachrohr der CSU-Landesleitung. Er hat nicht für den Landesverband des RCDS gesprochen.“

Aber auch diese Schwierigkeit meisterte Generalsekretär Zimmermann: Er lud die Münchner Rebellen zu einem Gespräch ein; als sie nach vier Stunden auseinandergingen, waren auch sie – wie die Vorstandsmitglieder der CSU im Falle Guttenberg – zu Stillschweigen verpflichtet. Dafür versprach Zimmermann den jungen Leuten, sich dafür zu verwenden, daß ihrem Blatt „Argus“ weiterhin Zuschüsse gegeben würden – ohne vorherige Zensur. Ob dies der Vorstand akzeptieren wird, bleibt freilich abzuwarten. Denn die Studenten stellten zur Bedingung, daß die Landesleitung ihnen die Anschriften sämtlicher Kreisverbände herausgibt. Sie wollen auch das Fußvolk der Partei über ihre Absichten informieren. Daran aber kann der Parteiführung nichts gelegen sein. Gerade in der Zeit, da man Franz-Josef Strauß wieder aufwerten möchte, damit er beim nächsten Parteitag im Juli wiedergewählt wird, wäre es höchst ungeschickt, Kritik an der bisherigen Amtsführung zu den „niederen“ Parteimitgliedern dringen zu lassen.