„Ali Baba und die 40 Räuber“ von Cherubini

Helmut Käutner entdeckte seine Liebe zur Oper, als er in Hamburg Henzes „Prinz von Homburg“inszenierte und den Ansager in Strawinskijs „Oedipus Rex“ sprach: „Möglichkeiten der Formgebung, die ich nie gekannt hatte“. Als Bearbeiter einer (1833 uraufgeführten) Oper von Luigi Cherubini erlebte Käutner in Essen jedoch einen Reinfall. Nicht beim Premierenpublikum. Das applaudierte der überaus gedehnten, aber an Schaureizen reichen Inszenierung Günter Roths (Regie) und Ottowerner Meyers (Ausstattung). Doch die Kritik beglückwünschte die Deutsche Oper am Rhein, daß sie auf das zunächst für Düsseldorf angekündigte Werk verzichtet hatte. Ein Lorbeer, wie ihn die Berliner Oper mit der Wiederentdeckung von Cherubinis „Medea“ errang, war für Essen nicht zu gewinnen, nachdem Käutner aus der opera seria eine komische Spieloper gemacht hatte. Käutners neuer Text richtet sich nach dem Urteil der Stuttgarter Zeitung „gegen die Musik selbst, deren Ernst und Aufrichtigkeit durch die Kabarettismen Lügen gestraft wird“. Düsseldorfer Nachrichten: „Die ganze Bemühung Käutners ist schrecklich aufgekratzt, puppenlustig und verzweifelt.“ Musikalische Leitung: Paul Belker. In den Hauptpartien: Antigone Sgourda (Delia), Klaus Lange (Nadir), Julius Jüllich (Ali Baba).

ULM (Ulmer Theater):

„Ödipus“ von Claus Bremer

In Ulm wird experimentiert: erst japanische Nô-Spiele, dann Improvisationstheater ohne festgelegten Text, jetzt eine Bearbeitung der Sophokles-Tragödie, über die ihr Verfasser, der Dramaturg Claus Bremer schreibt: „... Ich ermögliche Frau Piefke die Teilnahme an Verhältnissen, die ich unangetastet lasse.“ Bremers „allgemeine Sofortverständlichkeit“ hat jedoch wenig überzeugt. Als „Halbstarken-Jargon und schäbigste Umgangssprache“ wird der neue Text in der Deutschen Zeitung bezeichnet. „Vor allem mußte die Neufassung ihr Ziel verfehlen“, urteilt die Süddeutsche Zeitung, „weil man die These ‚Klarheit statt Geheimnis‘ nicht an einem Exempel statuieren känn, das gerade durch göttlichen Spruch und Seherwort wesentlich vom Numinosen her bestimmt ist... Bremer setzte seinen Ödipus gleich mehrere Male dem Vorwurf des Zuschauers aus, warum er denn immer noch nicht kapiert habe, was ihm da mit schlichter Eindeutigkeit gesagt worden ist.“ FAZ: „An dieser bis ins letzte theoretisch durchdachten Aufführung zerren die zum Trauma gewordenen Tendenzen des heutigen Theaters wie die Mütter an dem Kind im ‚Kreidekreis‘“ – Lehrstück, Verfremdung, Phänomen der Masse. Aus dem Durcheinandersprechen der textlich nicht festgelegten Chorlieder wurde „meist nur der Rhabarber des Volksgemurmels“. Inszenierung: Rolf Becker.

BERLIN (Schloßparktheater):