-ge, Bremen

Könnte die Bundesmarine nicht aus Versehen ein paar scharfe Wasserbomben dort fallen lassen?“ Stoßseufzer dieser Art sind neuerdings in bremischen Amtsstuben zu hören, bei jenen Behörden nämlich, die mit den zahlreichen Wracks vor der deutschen Nordseeküste zu tun haben. Vor allem der Schiffsfriedhof westlich des „Weser“ – Feuerschiffs ist ein internationales Ärgernis geworden. Das holländische Passagierschiff „Maasdam“ und der liberianische Tanker „Chrysanthy L“ erlitten dort Havarien. Die Schiffahrt auf den Zufahrtswegen zu den Nordseehäfen ist ernstlich bedroht. Was aber tun die deutschen Behörden?

Zwar entfalten die Regierungen der vier Küstenländer und einige aus Norddeutschland stammende Bundestagsabgeordnete seit den jüngsten Unfällen in Bonn eine rege Aktivität, um die Bundesregierung zu drastischen Maßnahmen zu bewegen, doch die Hoffnung, daß bald etwas geschieht, ist gering. Die Wracks der Schiffe liegen nämlich außerhalb der deutschen Hoheitsgewässer auf Grund, damit ergeben sich für Bergung oder Räumung schwierige völkerrechtliche Probleme.

Ehe die Wracks beseitigt werden können, müssen die Eigner von Schiff und Ladung zuvor eine Verzichterklärung abgeben. Trotz intensiver Bemühungen der diplomatischen Missionen bei den ausländischen Besitzern hat bisher nur die britische Reederei der „Harborough“ eine solche Verzichterklärung abgegeben. Aber das allein hilft noch nicht weiter, denn der argentinische Eigentümer der Koksladung dieses Schiffes konnte sich zu einem ähnlichen Schritt bisher nicht entschließen. Die deutschen Behörden sind also zur Untätigkeit verdammt – ebenso wie im Falle des russischen Frachters „Kholmogory“, des argentinischen Passagierschiffes „Maipu“ und des holländischen Baggers „Beverwyk“.

Der Bremer Senatspräsident, Wilhelm Kaisen, schickte dieser Tage einen dringenden Hilferuf nach Bonn. Diese Wracks gefährdeten nicht nur die Seeschiffahrt, sie schädigten auch die wirtschaftlichen Interessen Bremens und Hamburgs. Wenn sich die ausländischen Reedereien nicht umgehend mit der Räumung einverstanden erklärten, müsse die Bundesregierung, da ein Notstand vorliege, unter Umständen einseitig die notwendigen Bergungsmaßnahmen einleiten. Und Kaisen regte an, ob dieses Problem nicht vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gebracht werden könne.

Inzwischen hat Staatssekretär Carstens vom Auswärtigen Amt zu verstehen gegeben, daß Bonn noch einmal mit allem Nachdruck versuchen will, die Verzichterklärungen zu bekommen. Zugleich aber ließ er keinen Zweifel daran, daß die Bundesregierung nicht daran denke, sich in diesem Fall über völkerrechtliche Bestimmungen hinwegzusetzen, weil das dem deutschen Ansehen im Ausland abträglich sein würde. Diese Auskunft hat in Bremen nicht sehr befriedigt. Hier ist man der Meinung, man habe jetzt lange genug gewartet. Mit Wasserbomben freilich will man dem Problem nicht zu Leibe gehen. Sie wären – davon ist man auch, in Bremen überzeugt – denn doch zu brisant.