Als die französischen Bergarbeiter in Streik traten, erließ de Gaulle – „gegeben in Colombey-les-deux-Eglises“ – an sie die Dienstverpflichtungs-Order. Colombey liegt in Lothringen, und die lothringischen Arbeiter stehen im Ruf, staatstreu, wenig individualistisch, aber sehr gaullistisch zu sein.

Indessen machten die Mineure keine Miene, befehlsgemäß in die Kohlenminen zu gehen. Nicht in Lothringen, schon sowieso nicht in Nordfrankreich. Die Bischöfe von Arras und Cambrai nahmen die Streikenden in Schutz; alle Gewerkschaften – von der kommunistischen bis zu den christlichen – erklärten sich gegen den Gestellungsbefehl, der sogar in den Reihen der gaullistischen Abgeordneten abgelehnt wurde. Es streikte schließlich nicht nur die „Kohle“, sondern auch das „Gas“ und die „Elektrizität“. Am Donnerstag konnten die Hausfrauen in Paris kein Mittagessen kochen, und weil die Ampeln erloschen, zeigten die Autofahrer, wie sie geschickt und umsichtig auch ohne automatische Verkehrsregelung auskommen konnten. Selten hat es in der Bevölkerung soviel Einigkeit gegeben wie diesmal. Das Volk stand geschlossen gegen den Gestellungsbefehl.

Der Staatschef bleibt indessen nach wie vor gelassen. Wie ist das zu verstehen?

Vielleicht so: In einem Restaurant macht der Kellner dem Gast die Rechnung auf: Menü 6,30 ... Wein 2,20 ... Kaffee 0,80 ... W. g. 1,40 ... Der Gast stutzt und fragt: „Was heißt W. g.?“ Der Kellner gelassen: „W. g. heißt: Wenn’s geht! ... Wenn’s nicht geht, wird’s gestrichen.“

Diese – übrigens auch in Deutschland bekannte – Geschichte zitieren „Elysée-Astrologen“ neuerdings als ein Gleichnis von symbolischem Charakter. J.M.-M.