Von Marcel Reich-Ranicki

Das ist traurig und peinlich. Aber es muß davon die Rede sein. Denn dieses Buch hat Arnold Zweig geschrieben.

Daß er sich von Ulbricht feiern läßt, hat uns nicht gehindert, auf seine früheren Verdienste mehrfach und nachdrücklich hinzuweisen. Noch einmal sei es gesagt: „Der Streit um den Sergeanten Grischa“ (1928) und „Erziehung vor Verdun“ (1935) – das sind bedeutende, in der Bundesrepublik unterschätzte oder gar unbekannte Romane.

Ebenso gewiß scheint mir jedoch der Umstand zu sein, daß es sich bei seinem neuen Buch –

Arnold Zweig: „Traum ist teuer“, Roman; Aufbau-Verlag, Ostberlin; 388 S., 8,70 DM

– keineswegs nur um einen gelegentlichen Mißgriff handelt. Und daß uns die Ursachen dieser schriftstellerischen Niederlage nicht gleichgültig sein sollten.

Manches kann mit Zweigs vorgerücktem Alter erklärt werden. So bemüht er sich unentwegt und auf geradezu rührende Weise, zu unserer Allgemeinbildung beizutragen. Wird Kreta erwähnt, dann hören wir von dem Schönheitswettstreit, der dort einst stattgefunden hat, und erfahren, wie es zum Trojanischen Krieg gekommen ist, dem wir wiederum „die größten Epen unserer westlichen Welt“ verdanken.