Von Wolfgang Venohr

Traktorist, Aquarianer und künftiger Nachrichtenoffizier“ – so feierte Neues Deutschland vor kurzem den Matrosen Löhner von der Volksmarine. „Der blonde Manfred Löhner, der für den Klubraum ein phantastisches 600 Liter fassendes Aquarium bastelt und in seiner Freizeit mit dem Stralsunder Klub der Aquarianer enge Verbindungen unterhält, ist Traktorist und Landmaschinenschlosser. Sein Herz schlägt für die Technik. Bei der Volksmarine fand er ein schier unerschöpfliches Betätigungsfeld. ‚Wir sitzen‘, sagte er, ,an den besten Geräten, und wenn man merkt, wie die Entwicklung der Volksmarine von Jahr zu Jahr eine neue, höhere Stufe erreicht, dann kann man seinen Eltern mit gutem Gewissen schreiben, daß sie ruhig schlafen können. Der Schutz der Republik liegt bei ihren Söhnen in guten Händen – in Händen, die eine dem möglichen Gegner überlegene Kriegstechnik beherrschen.‘ “

Die „Söhne der Republik“ müssen in der Volksarmee achtzehn Monate lang dienen. Ihr monatlicher Wehrsold beträgt für den Soldaten 80 Mark, für den Gefreiten 90 Mark, für den Stabsgefreiten 100 Mark, für den Unteroffizier 110 Mark. Armeegeneral Hoffmann sagte dazu: „Wir halten diese Höhe des Wehrsoldes für ausreichend, da der Wehrpflichtige freie Verpflegung, freie Bekleidung, freie Unterkunft sowie kulturelle und sportliche Betreuung erhält, ebenso wie die Möglichkeiten der Weiterbildung während der Freizeit.“ Er vergaß allerdings hinzuzufügen, daß die Ausstattung der jungen NVA-Rekruten mit Waschzeug, Schuhputzzeug, Socken und Kragenbinden so mangelhaft ist, daß sie sich in den Kantinen für ihr eigenes Geld eine Zweitausstattung erstehen müssen.

Offiziersschüler, die in jedem Falle freiwillig dienende Berufssoldaten sind, erhalten im ersten Jahr 200 DM monatlich und in jedem folgenden Jahr 100 DM monatlich mehr. Reservisten bekommen den gleichen Wehrsold wie Soldaten im Gundwehrdienst; ihre Betriebe gleichen die Differenz zum normalen Lohn oder Gehalt aus. An Urlaub erhält der Wehrpflichtige während seiner achtzehnmonatigen Dienstzeit 18 Kalendertage. Soldaten auf Zeit ergattern im vierten bis sechsten Dienstjahr 21 Kalendertage, in jedem weiteren Dienstjahr einen Kalendertag zusätzlich. Der Wochenendurlaub reicht wie üblich von Sonnabend nach Dienstschluß bis Montag zum Dienstanfang.

Dieser Wochenendurlaub ist aber von den Leistungen als Soldat abhängig, also von der Einhaltung der soldatischen Disziplin und der Erfüllung der militärischen Aufgaben. Hier geht es um das, was man in der Bundesrepublik als das „Innere Gefüge“ einer Armee bezeichnet hat. „Barras wie gehabt“, das gebe es in der NVA nicht mehr, behaupten die Offiziere der Volksarmee, und die Ostpresse fügt hinzu: „Natürlich gilt in unserer Volksarmee das Prinzip der soldatischen Disziplin, die auf der inneren Einstellung zu unserem sozialistischen Staat beruht. Ihr sind Schikanen und Kadavergehorsam fremd. Diese Armee braucht denkende Soldaten, Persönlichkeiten, die bewußt der besten Sache der Welt, dem Sozialismus, dienen.“ Und Armeegeneral Hoffmann meint: „Eine Armee, in der Offiziere wie Soldaten aus der Arbeiterklasse kommen, kann nur auf einem wirklichen kameradschaftlichen Vertrauensverhältnis aufgebaut sein. Das schließt aber nicht die Notwendigkeit einer straffen Disziplin aus.“

Um nun solche Disziplin zu erzwingen, bedient sich die Volksarmee nach sowjetischem Vorbild des „kollektiven Erziehungsprinzips“. Im Falle des Volksarmisten Eulitz etwa sah das – nach der Schilderung einer DDR-Zeitung – so aus:

Zum Erziehen gehört Geduld! Soldat Eulitz schien ein hoffnungsloser Fall. Die Bemühungen des Kollektivs fruchteten anfangs wenig. Da schickte der Kompaniechef den Zugführer mit dem Soldaten ins Elternhaus. Die Mutter war enttäuscht. Sie, gesellschaftlich aktiv tätig, glaubte, ihr Sohn wäre ein tüchtiger Soldat. Genosse Eulitz war beschämt. Nicht auf einen Schlag hat er sich geändert – das Kollektiv erzog ihn. Heute zählt der Gefreite Eulitz zu den Besten der Kompanie. „Ich habe eingesehen, daß die Republik ganze Kerle braucht“, gibt er offen zu.