„Fünfzig Stufen zur Gerechtigkeit“ (Brasilien; Verleih: Constantin): ein innerkatholischer Problemfilm, „außerordentlich gefördert und nach Kräften finanziert“ vom Bischof von Bahia. Ein tumber Bauer schleppt ein Holzkreuz die fünfzig Stufen zur Kirche hoch. Vor dem Hauptaltar, so hatte er gelobt, wird er es zu Ehren der Hl. Barbara absetzen. Dazu kommt es jedoch nicht, weil das Gelübde nach Ansicht des Pfarrers nicht ganz kirchenrein ist. Also bleibt der Bauer vor der Kirchentür sitzen und wird zum Problem: Ein jeder kocht sein Süpplein an seinem Fall, die Opposition, die Presse, die Sekten, die Geschäftemacher und sogar ein Zuhälter. Nur der Bischof von Bahia (diesmal im Film) sucht nach einem Kompromiß: Ehe daß die Kirche Schaden nehme, übe sie im Einzelfall Toleranz. – Verfilmt sind die „Fünfzig Stufen“ im Stil eines Traktats: weich die Blenden und wuchernd der Dialog. Doch hat der Regisseur (Anselmo Duarte) mit seinem Film (ein Erstlingswerk) keinen Kinoramsch fabriziert, wie er in Brasilien seit der Vertreibung von Alberto Cavalcanti üblich geworden ist. Das war der Jury in Cannes 1962 Anlaß genug, den Film mit der Goldenen Palme zu bedenken. kub