An der Börse liegen die Aktienkurse der Berliner Handels-Gesellschaft auf dem Bankenmarkt in der Spitzengruppe. Das fincet seinen Grund nicht allein in der nach wie vor guten Ertragslage – das Institut zahlt auch in diesem Jahr wiederum eine Dividende von 18% – sondern ebenso sehr in der reichen Ausstattung der Bank mit eigenen Mitteln. Nominell betragen sie jetzt 58 Mill. DM (30 Mill. Kommanditkapital und 28 Mill. offene Rücklagen).

Sieht man auf die linke Seite der Bilanz und sucht man diejenigen Positionen zusammen, die man als Anlagekapital betrachten kann, so einen Teil der Dividendenwerte, die Beteiligungen, Grundstücke und Gebäude, dann kommt man auf einen Betrag, der die eigenen Mittel voll deckt. Sie bestehen durchweg, wie das Verzeichnis der Beteiligungen erkennen läßt, aus gesunden Objekten. Es ist bekannt, daß ein wesentlicher Teil der Dividendenwerte und der Beteiligungen zu Werten in den Büchern steht, die vor langen Jahren bei der Aufstellung der Eröffnungsbilanz Geltung hatten. Geschäftsinhaber von Schwartzkoppen mag recht haben, wenn er in der Pressekonferenz darauf hinwies, daß man die Differenzen zwischen Buch- und Börsenkurs nicht als stille Reserve ansehen dürfe. Realisiere man sie – und das wurde 1961 bei der Aufgabe der Beteiligung an der Trinkaus-Bank notwendig –, dann ergeben sich Buchgewinne, die der Steuer unterliegen. Die stillen Reserven schmelzen dann zwar zusammen, aber gerade der Fall Trinkaus-Beteiligung zeigt auch, daß trotz Finanzamt bei der Auflösung stiller Reserven „etwas hängen“ bleibt.

Das andere, was den BHG-Aktionär interessiert, ist die Rentabilität. Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigte 1962 Erträge in einer Gesamthöhe von 32 Mill. DM. Das sind 2,5 Mill. weniger als im Jahr zuvor. Die Provisionen aus dem Börsengeschäft brachten lange nicht mehr so viel ein wie 1961. Vor allem aber sind keine so hohen außerordentlichen Erträge mehr angefallen wie bei dem schon erwähnten Verkauf der Trinkaus-Beteiligung. Unter den Aufwendungen haben sich die Steuern um 1,8 Mill. verringert. Den freien Rücklagen wurden 2 (1) Mill. zugewiesen. Schließlich dürften auch in die stillen Reserven größere Beträge gegangen sein. Der Neubau des Verwaltungsgebäudes bietet hierfür reichlich Möglichkeiten.

Alles in allem, die Aktionäre der BHG können ihre Papiere mit einigem Wohlgefallen und ohne Sorgen betrachten. Dies gilt um so mehr, als das eigentliche Bankgeschäft nach wie vor ausgezeichnet ist. Die Bilanzsumme hat sich um 4,85 % erhöht. Die Umsätze, die einiges über die Intensität des Geschäftes aussagen, sind um 13 % gewachsen.

Das Fundament eines jeden Bankgeschäftes sind die Einlagen. Sie haben sich 1962 günstig gestaltet. Rechnet man die aufgenommenen Gelder und die eigenen Akzepte hinzu, so betrugen die Gesamtverpflichtungen bei Ende des Geschäftsjahres 851,6 Mill. gegenüber 817,8 Mill. im Jahr zuvor. Das entspricht einer Steigerung von über 4 %.

Das Kreditvolumen hat sich weit besser entwickelt, was nicht besagt, daß die Bank nicht gern einige gute Debitoren mehr sähe. Bei der derzeitig harten Konkurrenz zwischen den Banken, vor allem auch gegenüber dem Ausland (dort sind die Kreditzinsen nach wie vor niedriger als bei uns), sind sie aber nicht ohne weiteres zu gewinnen. Die Zinsspanne ist bei der BHG, die nahezu ausschließlich mit einer scharf rechnenden Großkundschaft arbeitet, klein. Die Termineinlagen – auf sie fallen etwa zwei Drittel der Einlagen des Institutes – müssen hoch verzinst werden; die Kreditsätze dagegen sind gedrückt. Dafür sind bei der BHG die Unkosten nicht so hoch wie bei einer Depositenbank.

Nicht uninteressant ist es, daß die Debitoren an Kreditinstitute besonders kräftig, nämlich um 8 Millionen angewachsen sind. Sie wurden vornehmlich Teilzahlungsbanken gewährt, in erster Linie der Frankfurter Kreditbank GmbH. An ihr ist die BHG beteiligt. Ihr vormals recht bedeutsames Teilzahlungsgeschäft wurde aus Rationalisierungsgründen auf diese Tochtergesellschaft übertragen.

Die Liquidität des Institutes ist gut, vielleicht sogar besser als wünschenswert. Das Kreditvolumen aber läßt sich bei den konservativen Grundsätzen, die für die BHG Geltung haben, nicht immer so kräftig erweitern, wie man das vielleicht gern sähe. Vorsicht hat jedoch auch gute Seiten. Schon im dritten Jahr brauchte die BHG auf ihre Debitoren keine Abschreibungen vorzunehmen. Bei Dividendenwerfen waren sie als Folge der Kursrückgänge bei den in den letzten Jahren hereingenommenen Aktien natürlich notwendig. Sehr aufregend war aber auch das nicht. W. R.