Von Ingrid Neumann

Mit ihrer unveränderten Dividende von 16 % schüttet die Handelsunion AG, Düsseldorf, den vollen erwirtschafteten Gewinn aus; das hat die Verwaltung in der Bilanzbesprechung mit der Presse ausdrücklich betont. Diese Aussage wird von dem vorgelegten Abschluß durchaus bekräftigt. Gleichzeitig aber muß damit die im Vorjahr gemachte ähnliche Äußerung in einem anderen Lichte erscheinen; denn der Ertragsspielraum des Berichtsjahres ist – bei gleichgebliebener Gewinnausschüttung – spürbar enger geworden.

Die Handelsunion hat als größte Stahlhandelsgesellschaft der Bundesrepublik naturgemäß die allgemeinen Schwierigkeiten im Walzstahlgeschäft zu spüren bekommen. Das Umsatzvolumen ist auf 2,035 (2,175) Mrd. DM zurückgegangen. Dabei ist noch anzumerken, daß die Erlöseinbußen, die den Walzstahlerzeugern so große Sorgen machen, den Handelsunion-Ertrag nicht einmal nennenswert belastet haben. Sie werden, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Hans Schmidt in der Pressekonferenz betonte, von den Hüttenwerken selbst getragen. Dafür spricht – cum grano salis – auch die Position „Aufwendungen für bezogene Waren“, die mit 1,872 (2,011) Mrd. DM um fast den gleichen Betrag zurückgegangen sind wie die Umsatzerlöse selbst.

Die Exporte, deren Höhe nicht bekanntgegeben wird, sind im Berichtsjahr gestiegen. Im Stahlgeschäft hat das Unternehmen seinen Marktanteil im Inland behauptet. Unter besonders ungünstigen Sternen stand im abgelaufenen Geschäftsjahr wiederum der Schrottabsatz. Nach den mündlichen Erläuterungen der Verwaltung entfiel über die Hälfte des Umsatzrückganges auf Mindererlöse im Schrottgeschäft.

Auch im Berichtsjahr waren die Dortmund-Härder Hüttenunion AG einschließlich der Hüttenwerke Siegerland AG noch die mit Abstand bedeutendsten Walzstahllieferanten der Handelsunion. Nach den von der Hohen Behörde ergangenen Auflagen soll sich der Lieferanteil der Gruppe Dortmund-Hörde – er wurde früher mit rd. 40 % des Handelsunion-Umsatzes angegeben – in zehn Jahren auf die Hälfte verringern. Die neue Großaktionärin, die August Thyssen-Hütte AG, wird dafür ihre Lieferbeziehungen entsprechend ausweiten. Im Berichtsjahr lag der Umsatz der Thyssen-Hütte mit der Düsseldorfer Handelsgesellschaft bei 230 Mill. DM. Die ATH als neuer Herr im Hause Handelsunion kontrolliert nach der Umtauschaktion nunmehr zunächst 51,4 % des 46 Mill. DM betragenden Kapitals. Wie zu hören ist, hat auch Phoenix-Rheinrohr seinen Einfluß von bisher 25,3 auf 35,4 % erweitert. Daß diese bis in die jüngste Zeit hineinreichenden Zukaufe den Börsenkurs der Handelsunion-Aktie nicht beflügelt haben, – er ist im Gegenteil seit Ende 1961 um rund 200 Punkte gefallen und ist gemessen an seinem 1959 erreichten Höchststand von über 850 nur noch ein Schatten seiner selbst – dürfte seine Begründung vor allem in dem bislang nicht völlig geklärten Schicksal des von Rheinstahl seinerzeit an einen „ausländischen Erwerber“ veräußerten Handelsunion-Paketes finden. Jedenfalls sind jetzt die freien Aktionäre an diesem bedeutenden Handelsunternehmen nur noch mit rund 13 % des Kapitals beteiligt. Sie werden sich in absehbarer Zeit, wenn die bevorstehende Ehe Thyssen-Hütte–Phoenix geschlossen sein wird, praktisch nur noch einem Großaktionär gegenübersehen.

Ungeachtet der durch die Umschichtung der Besitzverhältnisse möglichen Veränderungen hat sich die freie Minderheit bei der Handelsunion auch damit abzufinden, daß die Ertragsaussichten des Unternehmens im laufenden Geschäftsjahr nicht gerade rosig sind. Es müsse mit der Möglichkeit gerechnet werden – so erklärte die Verwaltung –, daß das Umsatzvolumen und das Geschäftsergebnis des Berichtsjahres im laufenden Jahr nicht wieder erreicht werden. Die Beibehaltung der sechzehnprozentigen Dividende sei nicht gesichert. Das klingt einleuchtend; denn bereits für 1961/62 verteilt die Handelsunion alles, was sie hat; und an den bisher vorliegenden Zahlen über die ersten Monate des laufenden Jahres läßt sich eine deutliche Verschlechterung ablesen.

Die Einnahmen aus Organschaftsverträgen werden in der Ertragsrechnung der Handelsunion mit 14,02 (11,04) Mill. DM ausgewiesen; aus der Kasse der Muttergesellschaft mußten allerdings auf der anderen Seite über 3 Mill. DM abgezweigt werden, um Verluste bei kranken Töchtern zu decken. Die Schrotthandel vorm. Albert Sonnenberg GmbH erhielt einen Zuschuß in Höhe von 2,6 Mill. DM und knapp 500 000 DM sind an die Berliner Eisen- und Stahl GmbH gegangen. Bei Sonnenberg hat sich der flaue Schrottmarkt entsprechend ausgewirkt, und bei der Berliner Tochter haben die Rückgänge des Interzonenhandels das Geschäft gedrückt. Der merkliche Rückgang der ertragsabhängigen Steuern von 9,7 auf 6,9 Mill. DM bei der Handelsunion allein – und von 15,8 auf 12,2 Mill. DM im Konsolidierungsbereich – charakterisiert die Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr. Die Ertragslage der Handelsunion-Töchter ist im abgelaufenen Geschäftsjahr durch Kostensteigerungen vor allem auf der Personalseite belastet worden. Auf 80,8 (76,2) Mill. DM (Löhne und Gehälter einschließlich sozialer Abgaben) sind die Personalaufwendungen im Konzern angestiegen. Auch die Abschreibungen sind leicht auf 11,1 (10,6) Mill. DM erhöht worden. Bei einem um 1,1 auf 163,1 Mill. DM verringerten Rohertrag hätte die Handelsunion möglicherweise schon im Berichtsjahre den Riemen erheblich enger schnüren müssen, wenn nicht der Zinsmehraufwand um mehr als die Hälfte auf 3,1 nach 8,7 Mill. DM zurückgegangen wäre und damit den Personalkostenanstieg sowohl als auch den Rückgang des Rohertrages wettgemacht hätte.