Im Jahre 1962 hat sich die rückläufige Entwicklung des freifinanzierten Wohnungsbaus fortgesetzt. Die anhaltende Steigerung der Baukosten verschärfte das Risiko der Wirtschaftlichkeit in besonderem Maße. Um so größerer Bedeutung kommt der „billigen“ Finanzierung zu. Nach Ansicht der Hypothekenbank in Hamburg stößt ein Effektivzins von mehr als 6 1/2 % bei Hypothekendarlehen, den die Pfandbriefinstitute ihren Angeboten auch beim Baukapital für den Wohnungsbau zugrunde legen mußten, angesichts der Preisentwicklung vielfach bereits an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit, während sich eine gleich hohe Zinsbelastung in früheren Jahren als durchaus tragbar erwiesen hatte.

Nach Feststellungen des Hamburger Instituts erschwerte die gesteigerte Zinsempfindlichkeit des Wohnungsbaues das Neugeschäft der Bank in dem Maße, wie andere Realkreditgeber, die nicht auf den Kapitalmarkt angewiesen sind (wie z. B. die Sparkassen), Baukapital zinsgünstiger anbieten und damit Vorteile im Wettbewerb erlangen konnten. Wenn, die Bank dennoch auch im zweiten Halbjahr 1962, als auf Basis der sechsprozentigen Pfandbriefe Hypotheken gewährt werden mußten, ansehnliche Neuabschlüsse unter Dach und Fach bringen konnte, dann lag dies an dem Hypothekengesetz, das bei Tilgungsdarlehen ein vorzeitiges Kündigungsrecht nur für den Darlehensnehmer zuläßt, für den Gläubiger aber ausschließt. Da bei allen Tilgungsdarleheneiner Hypothekenbank deshalb nachträglich Zinserhöhungen praktisch ausgeschlossen sind, zogen viele Darlehensinteressenten eine gesetzlich unkündbare Tilgungshypothek der Hypothekenbank einer anderswo erzielbaren, zeitlici aber nicht gesicherten Zinsersparnis vor.

Immerhin führten die erschwerten Wettbewerbsverhältnisse bei der Hypothekenbank in Hamburg zu einem verlangsamten Wachstum der Bilanzsumme, aber nicht zu einer Minderung der Erträge. Das Institut war auch im Geschäftsjahr 1962 wieder mit Erfolg bemüht, die offenen und stillen Reserven zu stärken. Den offenen Rücklagen wurden wiederum 3 Mill. zugeführt, so daß sie jetzt 23 Mill. betragen – bei einem Grundkapital von 12 Mill. DM. Mit einem Dividendensatz von wieder 16 % verfolge die Bank betont die Politik des „Maßhaltens“. An eine Kapitalerhöhung braucht vorerst, nicht gedacht zu werden, da die hohe Zuweisung zu den Rücklagen den Emissionsspielraum beträchtlich vergrößert hat. K. W.