DIE ZEIT

Verhärtete Streikfront

De Gaulles Verhältnis zur Wirtschaft ist kühl. Sie interessiert ihn nur insoweit, als sie seine Politik hindert oder fördert.

Kuhhandel statt Konsultation?

Paris und Bonn sind in eine peinliche Situation geraten. Zuerst Paris durch den Fall Argoud, und jetzt Bonn durch die Affäre Bidault.

Wieder daheim

Es gibt offensichtlich vieles an der Politik unserer Partei, was der Dichter nicht versteht.“ Der Sprecher: Nikita Chruschtschow.

Modellfall Warschau

Für unsere Außenpolitik ist der 7. März zu einem wichtigen Datum geworden. An diesem Tag wurde der erste langfristige Handelsvertrag zwischen Polen und der Bundesrepublik unterzeichnet und die Einwilligung Polens zur Errichtung einer Handelsmission in Warschau erteilt.

Bonns Sündenbock

Ob man wohl in anderen Ländern auch so häufig den für den eigentlich Schuldigen hält, der das Unrecht beim Namen nennt, nicht aber den, der das Unrecht beging? Wie oft, wenn wir Hitlers Untaten oder das Weiterwirken seiner einstigen Handlanger anprangern, bekommen wir Briefe, die anklagend fragen, warum wir denn "das eigene Nest beschmutzen" – als ob nicht die Nazis das eigene Nest beschmutzten, sondern die, die heute darüber berichten! Manche Leute glauben merkwürdigerweise, Verbrechen, Mißgriffe und Korruption seien dem Staat und der Gesellschaft nur dann, abträglich, wenn sie bekannt würden.

Die Revanche der CDU

Ein häßlicher Widerschein der peinlichen Spiegel-Affäre wetterleuchtet am Bonner Horizont. Die beiden großen Parteien, noch vor kurzem einem Koalitionsflirt nicht abgeneigt, begegnen sich mit wachsender Gereiztheit.

Zeitspiegel

„Vielleicht könnte man sagen, daß ein Kriterium dafür, ob wirkliche politische Freiheit vorliegt, darin besteht, daß die Lüge nicht politische Daseinsbedingung ist – daß man nicht gezwungen ist, zu lügen, um sein Auskommen zu haben.

Syrer und Iraker reichen sich die Hände

Es klappte, wieder einmal, alles wie am Schnürchen. Auch der jüngste Militärputsch in Syrien, der achte innerhalb von vierzehn Jahren, war eine „Bilderbuch-Revolution“.

Wahl und Weihe des Kronprinzen

Im Bereich der demokratischen Republiken gibt es nur eine einzige Kronprinzenfigur: die des Vizepräsidenten beispielsweise in den USA.

Doch protestieren!

Mein Eindruck: Es bereitet sich da für Harich vielleicht eine günstige Wendung vor. Es ist unsere Erfahrung, daß man in solchen Situationen eine prestige-empfindliche Behörde nicht durch mehr Drängen, mehr Publizität, mehr Lärm noch einmal vergrämen darf.

Die roten Preußen der Volksarmee

Traktorist, Aquarianer und künftiger Nachrichtenoffizier“ – so feierte Neues Deutschland vor kurzem den Matrosen Löhner von der Volksmarine.

Kanzler ist skeptisch

Offensichtlich hatte Merchant in seinen Besprechungen mit Bundesverteidigungsminister von Hassel den Eindruck gewonnen, die Bundesregierung sei für die Polaris-Überwasserschiffe.

De Gaulles „W. g.“

Als die französischen Bergarbeiter in Streik traten, erließ de Gaulle – „gegeben in Colombey-les-deux-Eglises“ – an sie die Dienstverpflichtungs-Order.

Journalisten im Gefängnis

Zwei englische Journalisten, die Reporter Mulholland von der „Daily Mail“ und Foster vom „Daily Sketch“, sind hinter den schweren Toren des Gefängnisses von Brixton verschwunden.

NATO-Muster ohne Wert

Kennedys Handlungsreisender in Polaris-Frachtern, Livingstone Merchant, hat die erste Etappe seiner multilateralen Odyssee durch Westeuropas Hauptstädte beendet.

Odyssee eines Lepra-Kranken

Als am 28. Februar, morgens gegen zehn Uhr, eine Militärmaschine der Bundeswehr auf dem Flughafen Wahn startete, atmete der Arzt Dr.

Nachts kam die Flut

Ich wurde plötzlich wach und hörte es plätschern. Zuerst dachte ich, ein Wasserhahn sei nicht richtig abgestellt und wollte nachsehen.

Ein Freiwilliger für die Bundeswehr

Das Delikt, dessen sie angeklagt war, hieß „Anstiftung zur Fahnenflucht“. Eine zweiundzwanzigiährige Arbeiterin war beschuldigt, ihren Verlobten, einen Soldaten, überredet zu haben, nach seinem Urlaub nicht zu seiner Einheit zurückzukehren.

Der Kommunist und der Kardinal

Er ist kein leutseliger, jovialer „Arbeiterführer“. Es fehlt ihm die demagogische wie die rednerische Begabung und auch der herrische Stolz von Diktatoren.

Zum Lachen oder Weinen?

Auch in andern Ländern lassen sich interessante Panoramen spiegeln. Selbst in England wird erregt gesagt, daß Unabhängigkeit so unabhängig nicht sein darf – wenn Georges Bidault im britischen Fernsehen erscheint.

Verwirrung

Das Deutschland, in dem wir leben, ist an die Peripherie geraten ... bedenklich an den Rand des Abendlandes verschoben, und uns ist manchmal so schwindlig zumute, als wandelten wir auf steilem Grat dahin .

Der Vatikan und die Mörder der Juden

Spontane oder organisierte Demonstrationen des Publikums sind zwar bisher wider Erwarten ausgeblieben; schwer zu sagen, ob das Schweigen, in dem es nach den sechs Bildern des „Stellvertreters“ von Rolf Hochhuth das Berliner Theater am Kurfürstendamm verläßt, ein Schweigen der Erschütterung, der feindseligen Abwehr oder der Gleichgültigkeit ist.

1. Carl Amery:: Unsere eigene Schuld

Es ist leicht, im Kulturteich der Gegenwart Fische zu fangen. Ein verhältnismäßig unbekannter Schriftsteller (glühende Zangen werden mir den Namen nicht entreißen, denn es ist mein eigener) schrieb vor geraumer Zeit einen verhältnismäßig unbekannten kleinen Roman, in dem er eine unsympathische Figur eine bestimmte rheinische Wochenzeitung lesen ließ.

Zeitmosaik

Mit einer offiziellen Rede Chruschtschows fand die nun schon seit Wochen teils vor, teils hinter den Kulissen geführte Diskussion über die Freiheit des Künstlers in der Sowjetunion ein vorläufiges und nicht gerade ermutigendes Ende.

3. Gerhard Schoenberner:: Fälschung der Geschichte?

Die einen werfen dem Autor Geschichtsfälschung und eine diffamierende Verzeichnung der Persönlichkeit des XII. Pius vor. Andere, wie zum Beispiel ich, sind der Ansicht, daß er sich in allen entscheidenden Punkten streng an die wissenschaftlich erforschten, dokumentarisch belegten geschichtlichen Tatsachen hält.

Sind sie zu jung, den Mund aufzutun?

Das, was Horst Krüger kürzlich in der ZEIT als die „biographische Methode“ rügte – die Methode, einen Gegner zu erledigen, indem man in seinen Personalien wühlt – tritt mit Vorliebe in einer besonderen Spielart auf: Man fragt nach dem Alter des Gegners.

Proteste gegen Teste

Ich glaube, manche Neuerungen werden nur ausgeheckt und eingeführt, weil man weiß, daß meine Frau von Zeit zu Zeit etwas braucht – je absurder desto besser – um sich wie eine Besessene darauf stürzen zu können.

Kleiner Kunstkalender

Bernard Buffet bringt als neue Frühjahrskollektion: Ansichten von Venedig. Ein Ärgernis, ein Sakrileg an der Lagunenstadt, aber sehenswert.

hans magnus enzensberger:: zum andenken an william carlos Williams

William Carlos Williams wurde am 17. September 1883 in der Kleinstadt Rutherford in New Jersey geboren. Von 1902 bis 1906 studierte er an der Universität von Pennsylvania Medizin und kehrte danach wieder nach Rutherford zurück, um sich dort zeitlebens als Landarzt niederzulassen.

Sie konnten zueinander nicht kommen

Wenige Tage, nachdem dem Geschäftslührenden Vorsitzenden der CDU, Josef-Hermann Dufhues, auf einer Pressekonferenz die Bemerkung entschlüpft war, die Gruppe 47 sei so eine Art „geheime Reichsschrifttumskammer“ und er sinne seit langem über Mittel und Wege nach, die mißliche Situation zu „entgiften“, lud ihn Hans Werner Richter zu einem Gespräch mit einigen der betroffenen Schriftsteller ein.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT den autobiographisch-literarischen Teil der Schrift „Entweder – Oder“, in dem Kierkegaard sein durch eigene Schuld und Veranlagung unglückliches Verhältnis zu Regine Ohlsen wiedergibt und gleichzeitig ästhetisch kompensiert.

Mifiwoch, 6. März, das Hörspiel:: „Peter“

Ein Primaner – ein verspielter, frecher, provokanter, aggressiver, gänzlich unernster, an nichts als an sich selbst interessierter und trotz allem hochcharmanter Halbstarker ist Peter, der Titelheld des polnischen Hörspiels von Krystyna Salaburska.

Theater

Wer das Theater als eine Stätte auch des sittlichen oder politischen Appells bejaht, muß diesen dramatischen Erstling des 42jährigen Frankfurter Journalisten begrüßen.

Fernsehen: Strapazierter Tiefsinn

Umgelter hat vor Jahren eine sehr achtbare Hans-Scholz-Inszenierung geliefert, deren Vorzüge allerdings mehr in die Richtung des Films als in die des Fernsehens gingen.

Theaterolympiade ist gefährdet

Gerhart von Westerman ist tot, und Professor Tiburtius ist nicht mehr Senator. Ein gutes Jahrzehnt lang hatte von Westerman die Berliner Festwochen geleitet.

Film

„Fünfzig Stufen zur Gerechtigkeit“ (Brasilien; Verleih: Constantin): ein innerkatholischer Problemfilm, „außerordentlich gefördert und nach Kräften finanziert“ vom Bischof von Bahia.

Mit dem Pfunde wuchern

Etwa zur gleichen Zeit, da die deutsche Bundesregierung ihren Wirtschaftsbericht dem Parlament und der Öffentlichkeit vorlegte, unterbreitete in England das National Economic Development Council (NED) seinen Rahmenplan für die britische Wirtschaft über die Jahre 1961 bis 1966.

Der zweite Schritt

Reform der Unfallversicherung ist unter Dach und Fach. Bis zuletzt in den Einzelheiten umstritten und geändert, ist damit der zweite Schritt der Sozialreform getan.

Am Rande vermerkt

Der Bonner Zentralverband des Genossenschaftlichen Groß- und Außenhandels muß die „Rexor Schuh-Einkaufsvereinigung GmbH“ als Mitglied aufnehmen.

Verschwundene Millionen

Der Bundesschatzminister soll endlich jene 70 Mill. DM herausrücken, die durch den Verkauf der bundeseigenen „Vereinigte Tanklager und Transportmittel GmbH“ (VTG) an die Preussag erzielt worden sind.

Das Ende der Devisenschwemme

Wir hatten uns daran gewöhnt: Jahr fürJahr strömten die Devisen ins Land, Milliardenbeträge. Der deutsche Export brachte sie herein, so sicher und so reichlich, daß wir glaubten, uns über die Einlösung von Zahlungsverpflichtungen in fremder Währung keine Sorgen machen zu müssen; Die Passivsalden der Devisenbilanz von 1959 und 1961 waren „Sonderfälle“ und kosteten ohnehin zusammen nur 4,1 Mrd.

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