PARIS (Galerie David & Garnier): „Buffet“

Bernard Buffet bringt als neue Frühjahrskollektion: Ansichten von Venedig. Ein Ärgernis, ein Sakrileg an der Lagunenstadt, aber sehenswert. Der Witz liegt in der Diskrepanz zwischen Maler und Modell. Alle, von Carpaccio bis Monet, haben den Zauber der Stadt gemalt, ihre Schönheit, ihre Poesie, ihre Stimmung, jeder auf,seine Weise, nach seiner Natur. Buffet, Exzentriker des Häßlichen, Liebhaber einer tristesse, tut’s auf seine Weise: ein entzaubertes Venedig. Romantik, Poesie gehen zum Teufel. Paläste sehen wie Fabriken aus, der Dogenpalast gleicht einem Zentralbahnhof. Die prachtvollen Fassaden sind auf strenge Gerippe reduziert. Nüchternheit ist Trumpf. Die architektonischen Details stimmen, Fenster, Giebel sind richtig gezeichnet. Aber das Ganze ist total verzeichnet. Man spürt nicht einen Hauch vom Geist der Stadt, soll ihn nicht spüren. Ein böser Spaß, nicht ohne artistischen Reiz. Hat Buffet Venedig gesehen? Man sagt, er habe seine Bilder nach Postkarten gemalt, sehr glaublich. Die Ausstellung ist enorm besucht, die Bilder finden reißenden Absatz.

BREMEN (Michael Hertz):

„Oelze“

Bilder und Zeichnungen aus den Jahren 1925 bis 1962, die erste große Retrospektive von Richard Oelze, der bis zur zweiten Kasseler „documenta“ in Deutschland fast unbekannt war. Oelze hatte schon lange einen kleinen Kreis fanatischer Sammler. Seit der „documenta“ fangen auch die deutschen Museen an, sich für ihn zu interessieren – im Museum of Modern Art in New York ist er seit vielen Jahren vertreten. Oelze ist 1900 in Magdeburg geboren, studierte von 1921 bis 1926 am Bauhaus (bei Itten), Mitte der dreißiger Jahre geriet er in Paris in den Sog des Surrealismus und ließ sich nach abenteuerlichen Wanderjahren und Kriegsjahren 1946 in Worpswede nieder. Daß Max Ernst ihn in Paris beeindruckt hat, ist vor den Bildern der dreißiger Jahre, dem Monumentalbild „Tourments quotidiens“,dieser schwefligen, detailierten Dämonologie, nicht zu bestreiten. Die Einflüsse verlieren sich in den Bildern aus den Worpsweder Jahren, die in der Ausstellung dominieren. Die Konturen werden unbestimmter, die Figurationen vieldeutiger, die Farben blosser. Oelze malt in hellem Ocker, in fahlem Grün, verwaschenem Rosa, in Nuancen von Violett. Er malt imaginäre Landschaften, die Landschaft von Worpswede, vom Teufelsmoor, nicht die Landschaft der alten Worpsweder Schule, sondern ihre gespentische Spiegelung. Der Himmel über dem Moor, grimassierende Formen – und ihre Wiederkehr im Feuchten, im quellenden Moorgrund. Landschaft oder Architektur, ein Wasserschloß, ein babylonischer Garten, Guatemala. Felsen oder Mauern werden aufgeweicht, von einer krankhaft wuchernden Natur zersetzt. Das brodelt von wildem Leben, erstarrt in gläserner Härte und verflüchtigt sich. Ein unheimliches und faszinierendes Werk. Oelze hat eine unbedingt eigene Konzeption, und er verfügt über die künstlerischen Mittel, sie zu realisieren. – Die Ausstellung dauert bis Ende März.

WUPPERTAL-ELBERFELD (Studio für neue Kunst):

„Heinemann“

Reinhard Heinemann, der seit 1937 in Dänemark lebt, wird in Deutschland selten ausgestellt. Er ist ausschließlich Graphiker, neben dem Holzschnitt beschäftigt ihn die Monotypie. Seine Motive sind Fischerboote und Segelschiffe, Bojen, Leuchtzeichen, Strand und Dünen, das nautische und landschaftliche Arsenal seiner dänischen Insel. Die einfachen und elementaren Motive werden in große rhythmische Arabesken verwandelt, wenige graue, blaue, rote Lineamente vor schwarzem Grund. Die Methode, Gegenständliches auf das Zeichenhöhe zu reduzieren, ist nicht neu. Aber Heinemanns Blätter haben soviel Stille, Konzentration, sie sind so ausgewogen, daß man lange in der zeitgenössischen Graphik nach Vergleichbarem suchen müßte. – Die Ausstellung bleibt bis zum 30. März in Wuppertal. g. s.