Paris und Bonn sind in eine peinliche Situation geraten. Zuerst Paris durch den Fall Argoud, und jetzt Bonn durch die Affäre Bidault. Peinlich für Paris müßte es sein, daß der OAS-Oberst aus dem Gebiet eines souveränen und befreundeten Staates entführt wurde – aller Wahrscheinlichkeit nach sogar vom französischen Geheimdienst.

Hier liegt eindeutig (das hat Bundesjustizminister Bucher bestätigt) ein strafbarer Tatbestand vor: Freiheitsberaubung. Daß Paris von diesem Tatbestand sonderlich beeindruckt gewesen wäre, kann man allerdings mit dem besten Willen nicht behaupten. Weder lieferte die französische Justiz eine einleuchtende Darstellung, noch rang sich die Regierung eine Geste des Bedauerns ab.

Und die Bundesregierung? Warum hat sie in Paris nicht protestiert? Jetzt, nachdem Bidault um Asyl in der Bundesrepublik ersucht hat, wird wohl überhaupt nichts mehr geschehen. Denn nun ist Bonn in einer peinlichen Situation. Erhält Bidault – und das steht ihm laut Grundgesetz und nach den Gebräuchen zivilisierter Staaten zu – Asyl in der Bundesrepublik, wird dies in Paris nicht gerade als freundliche Geste aufgefaßt werden. Schließlich ist Bidault der politische Kopf jener Gruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Regierung de Gaulle zu stürzen, mit der Bonn eben einen Freundschaftsvertrag abgeschlossen hat.

Vielleicht ist die französische Regierung im Grunde froh darüber, daß Bidault in Bayern lahmgelegt ist, aber es ist ihr sicher nicht unangenehm, wenn sie Bidault als Kompensationsobjekt benutzen kann: Haltet ihr euch im Fall Argoud zurück, werden wir an der Affäre Bidault keinen Anstoß nehmen! So allerdings hatten wir uns die enge Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und Frankreich nicht vorgestellt ...

Was Bidault und die OAS angeht, so bedeutet die Gewährung des Asyls keineswegs einen politischen Freibrief. Bidaults Asylrecht wird sicher befristet und überdies durch ein Verbot politischer Tätigkeit und Reisebeschränkungen begrenzt werden. Mit anderen Worten: Der ehemalige Ministerpräsident mag in Steinebach seine Memoiren schreiben, aber als Konspirateur ist er unerwünscht – ebenso wie die übrigen OAS-Anhänger. -e