Beim Training zum Kandahar-Rennen gab es auf völlig vereister Piste schwere Stürze. Die Österreicher, Weltmeister Egon Zimmermann und Gerhard Nenning, sowie die Franzosen Perret und Aripe mußten mit Arm- und Beinbrüchen ins Hospital von Chamonix eingeliefert werden.

Beim Training zu diesem letzten großen alpinen Rennen, das mit einem Triumph der Franzosen endete, wurde nun aber nicht demonstriert, wie gefährlich heute der Abfahrtslauf ist, sondern wie gefährlich er sein kann. Gern wird angenommen, daß die fortwährend gesteigerte Geschwindigkeit die eigentliche Gefahrenquelle sei. Bei den deutschen Meisterschaften durchrasten die beiden Besten, Wolfgang Bartels und „Luggi“ Leitner, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 90 Kilometern in der Stunde die Steilstrecke, das heißt, an manchen Stellen müssen sie an die 100 km/st herangekommen sein – und das mit nur zwei schmalen Brettern an den Füßen. 120 Kilometer pro Stunde sieht Herr Seebohm ja schon als das Äußerste für Motorfahrzeuge auf der Autobahn an!

Aber auch bei dieser nationalen Veranstaltung ist ebenso wie bei den anderen großen Rennen des Winters relativ wenig passiert, offenbar weil der Schnee gut war und die Strecken nicht zu halsbrecherisch ausgesteckt wurden.

Außerdem verstehen diese Artisten die Kunst, „richtig“ zu stürzen. Aber auf vereister Piste nützt auch diese Fähigkeit, über die der trainierte Sportler verfügt, oft nichts mehr. Im Tierreich ist sie ja noch selbstverständlich, und nur der Anfänger hat, weil er sich nicht übt, es verlernt oder nie gelernt, richtig zu fallen.

Nicht zuletzt deshalb ist es fast wie ein Alptraum, was sich da heute in den Alpentälern auf den Hängen bei den Anfängern abspielt. Die Chirurgische Universitätsklinik in Innsbruck gleicht an manchen Wochenenden einem Hauptverbandsplatz nach der Schlacht. Über 100 Fälle von Knochenbrüchen werden dort dann innerhalb von 36 Stunden eingeliefert – von der einfachen bis zur komplizierten Fraktur.

Ist der erste Schrecken vorbei und liegt der Gipsverband, so wird der Unfall gar zu gern verniedlicht. Die Freunde schreiben ihr Autogramm und gute Wünsche aufs Gipsbein, ein Photo wird geknipst, und der Verunglückte wird noch zum halben Helden gemacht.

Die krassesten Anfänger, die auch sonst sportlich ungeübt sind, gehen heute oft sofort in schwierigstes Gelände, beziehungsweise sie lassen sich von der rührigen Fremdenindustrie dorthin schicken. Vor dreißig Jahren, zur Zeit der Lantschners, hatten die Rennläufer noch keine Sturzhelme, und die Anfänger wagten sich auch noch nicht auf hochalpine Pisten.