Von Wilhelm Knabe

Rohe Erdmassen, steile, von der Erosion zerrissene Schluchten, eine zerklüftete vegetationslose Einöde, über die Staub- und Sandstürme hinwegfegen – so bietet sich das von Menschen verwüstete Gelände dar, in dem Kohle und Erze im Tagebau gewonnen werden. Wie kann man die Entstehung solcher „Mondlandschaften“ verhüten, wie läßt sich eine ästhetisch und wirtschaftlich befriedigende Lösung für die Rekultivierung der Abbaugebiete finden? Diese Probleme waren Gegenstand des ersten deutsch-amerikanischen Erfahrungsaustausches bei einer Konferenz an der Ohio Agricultural Experiment Station in Wooster, USA.

Der Bergbau über Tage reißt überall Wunden in die Landschaft. Wälder, landwirtschaftliche Nutzflächen, selbst Siedlungen und ganze Städte, wie zum Beispiel Berrenrath im Rheinland, müssen dem Tagebau weichen. Allein der Braunkohlengewinnung sind in beiden Teilen Deutschlands bisher 80 000 Hektar Land zum Opfer gefallen – ein Gebiet etwa so groß wie die Hansestadt Hamburg.

Freilich gibt es seit einigen Jahrzehnten Gesetze, die von den Bergbauunternehmen eine Rekultivierung der Abbaugebiete verlangen. Viele Grubenbetriebe haben auch schon vor der gesetzlichen Regelung die von ihnen zerstörten Flächen wieder in Wälder, Gärten und Felder verwandelt. Die ältesten sogenannten „Kippenwälder“ der Lausitz zum Beispiel wurden 1906 – mehr als zwanzig Jahre vor der ersten Anordnung zur Rekultivierung – angelegt.

Aber Rekultivierung ist nicht nur eine Sache des guten Willens. Die Synthese einer Landschaft mit allen ihren Elementen, dem neuen Relief, dem Boden oder dem, was einmal Boden werden, soll, den Wasserläufen, Verkehrswegen, Wiesen, Feldern und Siedlungen ist eine gewaltige Aufgabe.

Im Tagebau müssen alle Schichten über der Kohle abgeräumt und an anderer Stelle wieder aufgeschüttet werden – „verkippen“ nennt es der Fachmann. So entstehen die „Restlöcher“ und die „Kippen“, auf denen nichts wachsen kann. Diese Aufschüttungen müssen mit fruchtbarer Erde bedeckt werden.

Bergbau und Landesplanung brauchen wissenschaftlich fundierte Informationen darüber, welche Voraussetzungen für eine fruchtbare Kulturlandschaft auf altem Bergbaugelände geschaffen werden müssen. Wenn ein Bergbauunternehmen, wie es im Rheinland geschieht, den wertvollen Löß bis zu zwanzig Kilometer vom Nordzum Südrevier transportiert, so will es wissen, wie hoch die Erde aufgetragen werden muß, um eine ertragfähige Landwirtschaft zu ermöglichen. Denn jede zehn Zentimeter mehr kosten zusätzlich etwa 2500 DM pro Hektar.