FUNK RIAS I

Ein Primaner – ein verspielter, frecher, provokanter, aggressiver, gänzlich unernster, an nichts als an sich selbst interessierter und trotz allem hochcharmanter Halbstarker ist Peter, der Titelheld des polnischen Hörspiels von Krystyna Salaburska.

Die ganze „Westsidestory“ und eine Reihe anderer Darstellungen dieses international wuchernden Jugendlichentyps kann man eintauschen gegen Salaburskas Schicksals-Porträt, eine Dichtung, die das Glück hatte, in eine ebenbürtige deutsche Fassung gebracht zu werden (Heinrich Kunstmann). Der Hauptdarsteller profilierte zwar den Typ genau, vergaß aber keinen Augenblick, daß Peter ein einzelner Mensch ist: Christian Dörmer verdient höchstes Lob.

Regie hatte Peter Beauvais. Er brachte hervorragend heraus, daß hier nicht Naturalismus, sondern klare Wirklichkeit dargestellt wird, nicht Tiefsinnsschwaden ziehen, sondern harte Poesie kritisch entwickelt wird.

Die Handlung: Peter, für den es nichts gibt, das er achtete, fürchtete oder gar verehrte, monologisiert auf einer Bank im Park. Neben ihm liegt das von ihm getötete Mädchen, dessen unwirkliche Stimme zu hören ist. Rückblende: wie das letzte Jahr verlief, wie es zu diesem Ende kam.

Dieser junge Mensch ist nicht der faule, mogelnde Schüler, der sich an harmlosen Streichen erheitert und dessen (ihm vom Lehrer prophezeites) „böses Ende“ es höchstens ist, sitzenzubleiben. Hier wird nichts „dem Direktor gemeldet“. „Das Leben bringt alles von selbst in Ordnung“, sagt Peters Lehrer Kowalski, „es muß immer alles bezahlt werden.“

Endstation Parkbank mit totem Mädchen. Peter: „Warum kann ich nicht fliehen?“ Es gibt keine Flucht – das Unglück ist er selbst. Ein Stück mit der Tragik von Ibsen und Strindberg.

RH