Ich glaube, manche Neuerungen werden nur ausgeheckt und eingeführt, weil man weiß, daß meine Frau von Zeit zu Zeit etwas braucht – je absurder desto besser – um sich wie eine Besessene darauf stürzen zu können. Wenn es etwas gibt, was ihr – und mir! – in dieser Hinsicht noch gefehlt hat, dann sind das Verbraucher-Teste. Bis sie auf den Geschmack kam, benahm sie sich beim Einkauf wie alle Konsumenten: Sie war geduldig, arglos, sah mehr auf die Verpackung als auf den Inhalt und ließ sich oft nutzlose und viel zu teure Dinge aufschwatzen. All ihr natürliches Mißtrauen bewahrte sie einzig für mich auf. Das ist jetzt anders. Seit Ingwelde durch die Lektüre von Testergebnissen erfahren hat, von wieviel Schund wir umgeben sind, sieht sie in jedem Fingerhut, in jedem Küchensieb nichts als Lug und Trug und Täuschung.

„Soll ich dir mal vorlesen, was mit deinem Kaffee los ist?“ fragt sie mich etwa beim Frühstück, und während ich noch energisch den Kopf schüttele, höre ich: „Geiler, das heißt frischer Geschmack, anscheinend aus früherntigen Kaffees hergestellt, keine regulären Stinker, da der geile Kaffeegeschmack bei Kälterwerden der Tasse verschwindet.“

Aber ehe es soweit kommt, habe ich die Tasse schon weggeschoben, das ganze Frühstück ist mir verdorben, zumal es neuerdings auch keine Brötchen dazu gibt, denn Ingwelde boykottiert das Bäckerhandwerk, seit sie gelesen hat, daß 58 Prozent aller Bäcker zuviel Geld für zuwenig Brötchen verlangen.

Gestern sah ich sie mit einer neuen Briefwaage hantieren. Auf die legte sie Osterhasen und runzelte dabei die Stirn. Auf mein erstauntes Gesicht hin meinte sie: „Ich stelle gerade fest, wie man mit Osterhasen betrogen wird. Hohlräume, nichts als Hohlräume!“

„Osterhasen wiegt man nicht, die ißt man“, sagte ich beschwichtigend und gab ihr einen Kuß. Darauf starrte sie auf meinen Mund.

„Dieser Lippenstift ist also, doch kußecht. Den muß ich sofort zurückbringen.“

„Wieso?“ fragte ich.