Die „Meinungsumfrage“ – genau, repräsentativ, vor allem anonym: sie ist nun auch in der Sowjetzone entdeckt worden. Offenbar haben die Oberen die Erfahrung gemacht, daß Volkes Stimme allzu oft nur der Parteigenossen Stimme und also doch nicht Volkes Stimme war. Mut denn also: Sprich, Bürger, was wünschest du dir am sehnlichsten? Die Antworten fielen anders aus, als man erwartet, gefürchtet, gehofft hatte. Die Wunsch-Rangliste beginnt mit: Reisen. Ein Brauereiangestellter aus Bad Berka: „Warum tritt die DDR nicht für eine Erleichterung im Reiseverkehr ein, die Westdeutschen hindern doch auch keinen, dahin zu fahren, wohin er will?“ Ein Genossenschaftsbauer aus Ohrdruf: „Man kann die Arbeitsproduktivität so lange nicht steigern, wie keine Reisepässe ausgegeben werden.“ Eine Arbeiterin aus Erfurt: „Wenn man jedem Bürger der DDR einen Reisepaß in die Hand drückt, kommt die Verständigung von selbst.“ Kommentar eines SED-Funktionärs: „Musterbeispiel falschen Denkens.“ Solche falschen Vorstellungen müßten aus dem Bewußtsein der Menschen vertrieben werden.

Vorolympische Preise?

Ums Maßhalten ging es vor kurzem bei den Abgeordneten des Tiroler Landtags. Denn: Bei den letzten vorolympischen Skiwettkämpfen waren in Seefeld in Österreich (unter anderem) einfachste Erfrischungsgetränke zum Preise von sechzehn Schilling (knapp drei Mark) verkauft worden. Die Herren Abgeordneten stützten darob und bildeten schließlich eine Phalanx, entschlossen, „alle Maßnahmen zu ergreifen, ungerechtfertigte Preisauftriebe zu verhindern.“ Ob’s nun wohl wieder „vorolympische“ Preise gibt?

Das Größte

Am Ufer der Moskwa, in unmittelbarer Nähe des Kreml, bauen die Russen Europas größtes Hotel. Das mit Granitplatten und Keramiken verkleidete zwölfstöckige Gebäude soll 3400 Zimmer haben, in denen 6 000 Gäste beherbergt werden können. In zwei riesigen Restaurants sollen gleichzeitig 2 500 Gäste aufmerksame Bedienung finden. Zur besonderen Ausstattung des Hotels gehören ein Breitwandkino mit Stereoanlage und ein Theatersaal mit dreitausend Plätzen. Auf dem flachen Dach wird ein Café eingerichtet, von dessen Tischen aus man Moskau von oben genießen kann. Das Hotel soll 1965 eröffnet werden.