Von Rolf Thiele

Die Nachrichtenagentur AP meldete: Dei Filmregisseur Rolf Thiele dreht gegenwärtig den „Venusberg“. Es geht um eine Untersuchung von Sitte und Moral sowie von Psyche und Physis der modernen Frau.

Uns erschien dieses Unternehmen als so gewaltig, daß wir den Regisseur baten, es zu erläutern und zu verraten, welche Studien er dafür gemacht habe. Vor allem wollten wir erfahren, warum ihn dieses Thema – für die Leinwand – beschäftige.

Der Titel des Films heißt „Venusberg“. Er ist so vielfältig...

Die Geschichte erscheint kaum erzählbar: Sieben Mädchen in einem Hause auf einem Berg. Kein Zauberberg, denn es spielt kein Mann mit. Gewiß eine sehr affektive Absicht. Ich wollte einmal einen Film machen, in dem der Mann so schön ist, wie er es nur in seiner Abwesenheit sein kann, und so bedeutend, wie er es nur zu sein vermag, wenn er ersehnt wird. Freilich hat mich das Thema auch noch aus anderen Gründen beunruhigt, wie alle Ungeniertheiten, die sich heute distanzlos aufdrängen. Es zeugt aber von hoher, wenn auch allseits geübter journalistischer Fahrlässigkeit, mir „Untersuchungen über die Psyche und Physis, Sitte und Moral der modernen Frau“ zu unterstellen.

Ich bin in ganz anderem Sinne vermessen. Solche Deskriptionen muß ich schon um der Ernsthaftigkeit willen den Lehrstühlen für Sexologie an amerikanischen Universitäten oder den Damen de Beauvoir überlassen. Und zweifelsohne ist das Thema „Weib“ zu allen Zeiten das literarkritische Leben eines Narziß’ wert, der nicht in den Verdacht gerät, Richter und Partei zugleich zu sein. Ich traue mir nicht zu, eine Methode zu organisieren, die zugleich mich selbst organisierte. Darum halte ich es bei meiner Filmabsicht mit bekannten Mitteln, von denen ich nichts halte: Ich addiere mit Akribie: Gesehenes, Gehörtes, Erlebtes, Gelebtes, Rätsel, Banalitäten, Verhaltensweisen, Affekte – ohne finalen Sinn. Denn es ergibt keine Summe. Bestenfalls können geübte Gruppenpsychologen davon ihre Existenzberechtigung ablesen.

Ich weiß nicht mehr von den Frauen, als daß sie notwendig sind, weil wir sind. Sie sind Spiegel meiner, Selbstschau. Ich winde ihnen Sträuße, indem ich mir eingestehe, daß mein Spiegelbild schlechter geworden ist. Ich frage mich manchmal nach ihrem Glück, das nicht im Glück, sondern in der Freiheit liegen soll. Was ist aber eine Freiheit in einer Welt ohne Götter, für die man die Freiheit opfern könnte, um sie endgültig zu gewinnen? Wir haben die Götter abgeschafft und uns dabei selbst gestürzt.