Auf den Spuren der Phönizier heißt nur eine der Mittelmeerkreuzfahrten dieses Jahres, aber genau genommen folgen alle Schiffsrouten den phönizischen Handelswegen. Denn dieses erste Seefahrervolk der Welt lenkte seine Schiffe überall hin, von der heimatlichen Orientküste bis nach Marseille, Venedig und Bengasi. Dieses kleine Meer zwischen drei Kontinenten ist indessen auch der Lebensborn aller nachfolgenden Kulturen, die allerorten noch heute gegeneinander, neben- und gar übereinander steingeworden Zeugnis von sich ablegen. Wenn man deshalb ins „mare mediterranae“ fährt, wird man – mit leicht ironischem Beiklang – „bildungshungrig“ genannt. Fährt man wegen der Wärme, wird man als „sonnenhungrig“ apostrophiert, ohne Beiklang.

Die Wärme, die glühende Hitze des südlichen Hochsommers vermag nicht jeder zu ertragen; da sind dem heißen Sand in windstillen Buchten heiße Planken vorzuziehen, über die eine erfrischende Brise des offenen Meeres fächelt. Freilich muß man schon vor der Reise auf Art und Ausstattung des Schiffes achten – oder etliches mehr als den Mindestpreis ausgeben, denn auch schneeweiß blitzende Schiffe können sehr alt sein und nicht klimatisiert. Wer die billigste Vier-Bett-Innenkabine nimmt, einen winzigen Raum ohne Bullauge, der wird seine Wahl schnell bereuen, wenn die Temperatur in dem Gelaß unter der Glut der Sonne auf 40 Grad steigt und sich für die Nacht wie im Backofen speichert.

Die Fahrten für Bildungshungrige zu den Stätten des Altertums indessen enttäuschen den, der das Erlebnis der richtigen Hochseeschiffahrt damit verbinden will. Denn meistens wird nachts gefahren, wenn man schläft, und tagsüber wird Land angelaufen, um Besichtigungen zu machen. Es sind dann schnelle, programmgefüllte Landausflüge, für den wirklich Wißbegierigen stets zu kurz, weil die Schiffsleitung nach dem alten Grundsatz drängt: Ein Schiff, das im Hafen liegt, kostet viel – ein Schiff, das fährt, bringt viel ein. Abfahren um anzukommen, ankommen um abzufahren: Das ist die Seefahrt im Mittelmeer.

TS „Agamemnon“, Schiff der Könige mit dem Flair einer Privatjacht, eingerichtet für 400 Passagiere, nimmt auf seinen Kreuzfahrten nur 250 Gäste auf, um ein „intimes Milieu“ des Bordlebens zu geben. Die 18tägige Osterkreuzfahrt trägt diese erlesene Schar am 31. März ais dem Hafen von Genua in Richtung Syrakus auf Sizilien, Alexandria und Port Said in Ägypten, Beirut im Libanon, Haifa in Israel, Izmir in der Türkei, Delos und Mykonos im Ägäischei Meer, Piräus (Athen), Neapel, Korsika und zurück nach Genua. Die vielfältigen Tagesausflüge kosten natürlich stets extra und mitunter recht viel; die reine Schiffsreise erfordert mindestens 1288 (und bis zu 3480) Mark.

Ziemlich der gleichen Strecke gilt die 16tägige Frühjahrsfahrt, die am 17. April beginnt (1144 bis 3092 Mark); darüber hinaus führen die beiden Reisen mit Abfahrt am 2. und 17. Mai: an Korfu und den Ionischen Inseln vorbei nach Istanbul und dann durch die Dardanellen ins Schwarze Meer zu den sowjetischen Häfen Batum, Sotchi und Jalta. Die Reise führt durch die Ägäischen Inseln zurück. Sie endet am fünfzehnten Tag

MT „Akropolis“ unternimmt bis zum Juni mehrere zwölftägige Kreuzfahrten in entgegengesetzter Richtung: Genua, Cannes, Neapel, Palermo, Malta; ins afrikanische Tripolis und Tunis; Palma de Mallorca, Marseille, Genua (von 664 Mark an).

Ebenso lange dauern die Reisen, die D. „Cesaree“ von 800 Mark an und bis in den Juni hinein nach Haifa (Israel) unternimmt, mit Start in Genua und Zwischenlandungen in Neapel, Limassol auf Zypern und Piräus.