Rote und grüne Luftballons zappelten auf weißgedeckten Tischreihen. An den Wänden prangten Seepferdchen, plakatweise stürzten sich braungebrannte Damen – ganz ohne was – in hohe Wellen. Das wichtigste aber waren die kleinen Cellophan-Tütchen mit den bunten Schleifen. Keine gewöhnlichen Tüten: Tüten mit Sand. Mit Sand aus Westerland. Die Herren der Weiterländer Kurverwaltung hatten den Sand in 1200 Tüten gestreut und an ehemalige Kurgäste bei einem Wiedersehensfest in einer Hamburger Festhalle überreichen lassen.

Da saßen sie nun, Alte und Junge, hörten sich die Späße professioneller Hamburger Spaßmacher an, hakten auf Befehl einander unter, schunkelten, tanzten und hatten – die Herren der Kurverwaltung bestanden darauf – sich als eine große Familie zu fühlen – die Westerländer Familie, die, es wurde oft genug mahnend wiederholt, sich zu dem Lichtbildervortrag über Westerland nächste Woche auf der Universität einzufinden hätte und – es versteht sich von selbst – in der Vor-, Nach- und Hauptsaison den Nordseestrand bevölkern soll.

Es gab auch eine Tombola mit Preisen: die heilsame Nordseecreme für die blasse Haut und freier Aufenthalt für sieben Tage auf der Insel der großen Familie.

Als die Cellophan-Tütchen platzten und der Sand zwischen Zeller Schwarze Katz und Holsten-Bier rieselte, die Luftballons zerplatzten, die Kapelle ihre Instrumente einpackte, hatten es die Herren der Kurverwaltung geschafft: Tütchen verteilt, die Werbetrommel gerührt. HvK